Bundesministerium für Arbeit und Soziales Bundesministerium für Bildung und Forschung Bundesagentur für Arbeit

Mo

08

Aug

2016

Kein Deutsch, keine Leistung!?

Podiumsdiskussion zu Hürden und Herausforderungen in der Kommunikation mit deutschen Behörden

Zeit/Ort: 14. Juni 2016, 17 - 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek West/Lindenhofstraße 53, Bremen

 

Mit folgenden Gästen:

 

Angela Touré, Bremer Agentur für Arbeit

Lilli Hasche, acompa – Unabhängige Begleitgruppe für Geflüchtete und Migrant_innen

Herbert Thomsen, Bremer Erwerbslosenverband/BEV

 

Ankündigung:

 

Sprachliche Verständigung bildet eine der größten Barrieren, wenn es darum geht, Teil der Gesellschaft zu sein. Dies macht sich unter anderem bemerkbar in der Kommunikation mit öffentlichen Ämtern und staatlichen Institutionen, wie dem Jobcenter: Fach- und Fremdwörter, umständliche Formulierungen und Schachtelsätze lassen amtliche Schreiben oftmals als unlösbare Rätsel erscheinen. Umso schwieriger wird es für Menschen, die deutsch nicht als Erstsprache sprechen. Auf den Behörden selbst heißt es dann oft: „Hier wird Deutsch gesprochen“ – Wer sich in der Amtssprache Deutsch nicht verständigen kann, muss meistens eine_n eigene_n Dolmetscher_in organisieren – oder riskiert einen verspäteten bis eingestellten Leistungsbezug.

 

Um diesen sprachlichen Hürden entgegenzuwirken, stellen das Jobcenter Bremen und die Agentur für Arbeit seit Beginn 2015 ihren Kund_innen nicht nur mehrsprachige Formulare zur Verfügung sondern auch einen Dolmetscherdienst. Eine Studie vom Bremer Institut BISA + E zu Rassismus und Diskriminierung im Bremer Norden von 2015 ergab jedoch, dass die Zugangsbarrieren zu den öffentlichen Verwaltungsapparaten unverändert bestehen. Ähnliches berichten Mitarbeiter_innen von Beratungsstellen und Betroffene aus Bremen Stadt: Wer die Amtssprache Deutsch nicht ausreichend beherrscht, wird häufig benachteiligt.

 

In dieser Veranstaltung möchten wir diskutieren, welche (strukturellen) Hürden in Behörden, wie in der Agentur für Arbeit und im Jobcenter, weiterhin bestehen und welcher Handlungsbedarf sich daraus ergibt. Mit der Veranstaltung setzen wir eine Diskussion fort, die wir im Rahmen der Podiumsdiskussion „Amtssprache Deutsch: Diskriminierung oder bloßes Verständigungsproblem?“ vom 3.12.2014 bereits angestoßen hatten. Denn, heute wie vor zwei Jahren steht eins fest: Die Berücksichtigung sprachlicher Vielfalt ist ein zentraler Faktor für die gesellschaftliche und rechtliche Teilhabe und damit für den Zugang zu Ressourcen und Privilegien der Mehrheitsgesellschaft.

 

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Bremer Rat für Integration

Flyer zur Veranstaltung Kein Deutsch, keine Leistung
2016 ADA: Kein Deutsch, keine Leistung.p
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Do

14

Apr

2016

Von der Meldung zum Vorurteil

Podiumsdiskussion zur Benennung des "ethnischen" Hintergrunds durch Medien, Polizei und Innenbehörden

Zeit & Ort: 20. April 2016, 19 Uhr im DGB-Haus (Bahnhofsplatz 22–28, 28195 Bremen, beim Hbf). Veranstaltet von ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt

 

Mit folgenden Gästen:

 

Mohamed Amjahid, Politischer Reporter und Redakteur beim ZEITmagazin

 

Gerrit Busch, Freier Mitarbeiter bei der Nachrichtenredaktion von Radio Bremen und Buten & Binnen

 

Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Bremer Senators für Inneres, Journalistin und Krimiautorin

 

Ankündigung:

 

Spätestens seit den gewalttätigen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof ist in der Öffentlichkeit wieder verstärkt von der so genannten "Ausländerkriminalität" die Rede. Plötzlich scheint es wieder legitim, in der Berichterstattung routinemäßig auf den mutmaßlichen ethnischen Hintergrund von Straftatverdächtigen hinzuweisen – auch, um sich nicht dem von AFD, Pegida & Co lancierten Vorwurf auszusetzen, wichtige Tatsachen zu verschweigen. Einige Zeitungsverlage gehen noch weiter: Sie fordern, dass der Deutsche Presserat die Richtlinie 12.1 des Pressekodex ändern möge, wonach in der Berichterstattung über Straftaten "die Zugehörigkeit der Verdächtigten oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt wird, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht."

 

Ähnliche Entwicklungen sind auch in Bremen zu beobachten: Immer wieder ist im Zuge gestiegener Taschendiebstähle im Bahnhofsberich von kriminellen Geflüchteten die Rede, auch wenn meist relativierend hinzugefügt wird, dass es sich nur um eine "kleine Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge" handeln würde. Insofern dürfte es auch folgerichtig gewesen sein, dass im Weserkurier am 4. März 2016 anlässlich der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2015 durch den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer und den Polizeipräsidenten Lutz Müller ein Diagramm zu sehen war, das die "Beteiligung der verschiedenen Ethnien an Taschendiebstählen 2015 in Bremen" auflistet. Und dies mit äußerst fragwürdigen Kategorien: "10% Vorder- und Südasiaten", "10% Südosteuropäer", "12% Mitteleuropäer" und "66% Nord-/West-Afrikaner" (Sonstige: 2%).

 

Und doch, allen Stimmungen zum Trotz, die Realität sieht anders aus: Beispielsweise stellt der Chef der Brauschweiger Kripo Ulf Küch anlässlich seines frisch erschienen Buches "Soko Asyl" fest: "Der Anteil von Kriminellen, die mit den Flüchtlingen nach Deutschland eingereist sind, ist prozentual nicht höher als der Anteil von Kriminellen in der deutschen Bevölkerung." Ähnliches berichten Expert_innen schon seit Jahren: Menschen ohne deutschen Pass sind nicht krimineller, sie werden aber häufiger angezeigt. Wichtiger für Kriminalität sind stattdessen Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Bildung. Hinzu kommen diverse Verzerrungen in der Kriminalitätsstatistik, etwa durch bestimmte Delikte, die nur von Nicht-Deutschen begangen werden können.

 

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Do

01

Okt

2015

Fachtag zu Innerbetrieblichen Beschwerdestellen

11. November 2015, 10 bis 18 Uhr, DGB-Haus Bremen - organisiert von ADA in Kooperation mit dem Bremer Netzwerk gegen Diskriminierung (anerkannt als Bildungsurlaub)

 

Programm des Fachtags:

 

10:00 bis 12:30 Uhr: Begrüßung und Einführungsvorträge

 

Alexander Klose,wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für interdisziplinäre Rechtsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin: Welche Diskriminierungen kommen in der Arbeitswelt vor, wie reagieren Betroffene und wie hat sich die Rechtsprechung seit Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes weiterentwickelt.

 

Bärbel Meschkutat, Technische Universität Dortmund: Zum praktischen Umgang mit Konflikten,

Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz.

 

Sewita Mebrahtu und Ikram Rimi, Mitarbeiterinnen der Antidiskriminierungsstelle ADA: Wie sollten innerbetriebliche Beschwerdestellen konkret ausgestaltet werden – unter besonderer Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen.  

 

 

13.30 bis 15:30 Uhr: Arbeitsgruppen zu einzelnen Diskriminierungsverhältnissen in der Arbeitswelt und zur Frage, wie Innerbetriebliche Beschwerdestellen einen Beitrag zur Verbesserung der jeweiligen Situation leisten können

 

Arbeitsgruppe I: Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Mit Inputs von Wilhelm Winkelmeier, SelbstBestimmt Leben e.V. Bremen und Claas Oelmann, Referent im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Claas Oelmann zur Situation blinder und sehbehinderter Beschäftigter).

 

Arbeitsgruppe II:Sexualisierte Gewalt und Belästigung. Mit Inputs von Volker Mörchen, Bremer JungenBüro und Ursel Gerdes, ADE – Arbeitsstelle gegen Diskriminierung und Gewalt, Expertise und Konfliktberatung, Uni Bremen 

 

Arbeitsgruppe III: Rassistisch motivierte Diskriminierung und Belästigung im Betrieb. Mit Inputs von Agebayo Alabi, The Voice Refugee Forum und Mehmet Toprak, Betriebsrat ArcelorMittal (angefragt)

 

 

16:00 bis 17:30: Podiumsgespräch zu Innerbetrieblichen Beschwerdestellen mit folgenden Gästen

 

Karin Petersen-Nißen, Leiterin der Beschwerdestelle der Stadt Schleswig

 

Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen

 

Dr. Bettina Graue, Rechtsberaterin bei der Arbeitnehmerkammer, Mitherausgeberin eines juristischen Kommentars zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz  

 

Rainer Kuhn, ver.di-Bezirksgeschäftsführer Bremen-Nordniedersachsen

 

Die Veranstaltung ist kostenlos und als Bildungsurlaub im Land Bremen anerkannt (eine Anerkennung als Weiterbildung für Betriebs- und Personalrät_innen gemäß §37.6 BetrVG ist beantragt). Um Anmeldung per Post, FAX oder Email wird gebeten - bitte Name, Adresse, Geburtsdatum, E-Mail-Kontakt und Veranstaltungsnummer (500/128.) angeben: ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20, Mail: info@aulbremen.de

 

Weitere Informationen: www.ada-bremen.de (dort finden sich in Kurz- und Langform auch Handreichungen zur Einrichtung Innerbetrieblicher Beschwerdestellen)

Flyer zu Fachtag Innerbetriebliche Beschwerdestellen
2015_09_26_ADA-Flyer web.pdf
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Do

01

Okt

2015

Diskussionsveranstaltung zu innerbetrieblichen Beschwerdestellen

29. Oktober 2015, 18 Uhr, DGB-Haus Bremen (Bahnhofsplatz 22-28). Organisiert von ADA in Kooperation mit dem Bremer Netzwerk gegen Diskriminierung.

 

Mit folgenden Gästen:  

 

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

 

Regine Geraedts, Arbeitnehmerkammer Bremen, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik

 

Alfons Adam, Schwerbehindertenvertretung Mercedes-Benz Werk

 

Harm Wurthmann,Geschäftsführer der RKW Bremen GmbH (Beratung mittelständischer Unternehmen sowie von Existenzgründerinnen und Existenzgründern)

 

Annette Düring, DGB-Vorsitzende Bremen-Elbe-Weser

Flyer für Diskussionsveranstaltung zu Innerbetrieblichen Beschwerdestellen
ADA_Flyer Podiumsdiskussion Web.pdf
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Fr

31

Jul

2015

Fachtag: Ethnisches Profiling: Angemessenes Instrument der Polizeiarbeit?

29.9.2015 / 10–16 Uhr DGB-Haus Bremen / Tivoli-Saal Bahnhofsplatz 22–28 28195 Bremen

Der UN-Ausschuss gegen Rassendiskriminierung und die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz definieren „Ethnic bzw. Racial Profiling“ als verdachtsunabhängige Personenkontrollen, die an äußerliche und somit diskriminierende Zuschreibungen anknüpfen. Dabei käme es nicht darauf an, welche Gründe Polizistinnen und Polizisten für die Durchführung von Kontrollen angeben würden. Ausschlaggebend sei vielmehr, ob entsprechende Kontrollen auch ohne Bezug auf äußerliche Merkmale wie Haut- oder Haarfarbe stattgefunden hätten. Bei der Polizei Bremen hat man sich dieser Thematik bereits im Dezember 2012 angenommen und zusammen mit Arbeit und Leben Bremen, dem Bremer Rat für Integration, dem Institut Français und dem Kulturzentrum Lagerhaus einen Fachtag unter dem Titel „Halt Polizei! Ethnisches Profiling im Spannungsfeld des Gleichbehandlungsgrundsatzes“ ausgerichtet. Seitdem hat sich die gesellschaftliche Auseinandersetzung um Ethnic/Racial Profiling erheblich zugespitzt. So waren in Deutschland allein im Mai 2015 zehn Verfahren von Betroffenen vor Verwaltungsgerichten noch nicht entschieden. Zielsetzung des 2. Bremer Fachtages zu Ethnischem Profiling ist es, die Debatte zu intensivieren und zu fokussieren, was die deutsche Polizei von polizeilichem Handeln in den Nachbarländern lernen kann.

 

 

Programm:

 

10:00 Uhr: Begrüßungsempfang im Foyer

 

10:30 Uhr: Eröffnung, Rückblick und Standortbestimmung auf Landesebene: Lutz Müller, Polizeipräsident Bremen; Thomas Müller, Integrationsbeauftragter, Polizei Bremen

 

10:45 Uhr: Bestandsaufnahme „Racial Profiling“: Martin Herrnkind, Polizei Experte, Amnesty International

 

11:15 Uhr: Im Gespräch: Kontrollpraxis Berlin / Paris, im Vergleich: Jérémie Gauthier, Soziologe, Centre Marc Bloch, Berlin; Thomas Müller, Integrationsbeauftragter, Polizei Bremen

 

11:45 Uhr: Blick zu den europäischen Nachbarn: Niederlande und Großbritannien: Stephan Brummelhuis, Polizeiexperte, Projekt Diversity / Diskriminierung und Integrität; Paul Gademann, Projektleiter Ethnic Profiling in der Polizeiarbeit Amsterdam, Niederlande; Dr. Rebekah Delsol, Programme Officer, Ethnic Profiling Project, Open Society Justice Initiative, United Kingdom

 

12:45 Uhr: Initiative schwarze Menschen in Deutschland kommentiert, Tahir Della, Vorstandsmitglied, Initiative schwarze Menschen in Deutschland

 

13:15 Uhr: Mittagspause

 

14:15 Uhr: Was können wir von unseren Nachbarn lernen? Mit folgenden Gästen: 

 

+ Prof. Dr. Rafael Behr, Dekan des Fachhochschulbereichs, Akademie der Polizei Hamburg, 

+ Tahir Della, Vorstandsmitglied, Initiative schwarze Menschen in Deutschland

+ Kevin Hamann, Leiter der Polizeiinspektion Nord der Stadt Bremen

+ Jochen Kopelke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Bremen

 

15:45 Uhr: Abschlussreflexion

 

16:00 Uhr Ende

 

Moderation: Fuat Kamçılı, Projekt ADA, Arbeit und Leben Bremen e.V. / AG Antidiskriminierung, Bremer Rat für Integration und Olaf Bernau, Projekt ADA, Arbeit und Leben Bremen e.V.

 

Texte zum Fachtag zu Racial Profiling

Diskriminierendes "Ethnic Profiling" erkennen und vermeiden
Oktober 2010: Ein Handbuch für die Polizeiatbeit.
1133-Guide-ethnic-profiling_DE.pdf
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Bericht der Reihe „Daten kurz gefasst“: Polizeikontrollen und Minderheiten
Oktober 2010: Ergebnisse zu einer Untersuchung in mehreren europäischen Ländern.
1132-EU-MIDIS-police_DE.pdf
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„Racial Profiling“ – Menschenrechtswidrige Personenkontrollen
August 2013, von Hendrik Cremer/Deutsches Menschenrechtsinstitut: „Racial Profiling“ – Menschenrechtswidrige Personenkontrollen nach § 22 Abs. 1 a Bundespolizeigesetz Empfehlungen an den Gesetzgeber, Gerichte und Polizei.
Studie_Racial_Profiling_Menschenrechtswi
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Fr

31

Jul

2015

Es bleibt dabei: Der Islam gehört zu Deutschland und Europa!

ADA-Fachtag zu Antimuslimischem Rassismus: Donnerstag, 16. April 2015, 10 bis 17.30 Uhr, DGB-Haus

Die Veranstaltung ist kostenlos und als Bildungsurlaub im Land Bremen anerkannt. Eine Freistellung nach Bremischen Bildungsurlaubsgesetz ist möglich. Um Anmeldung per Post, FAX oder Email wird gebeten - bitte Name, Adresse, Geburtsdatum und E-Mail-Kontakt angeben (damit wir die Anmeldung bestätigen können):ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20, Mail: info@ada-bremen.de

 

 

Programm & Ablauf des Fachtags:

 

10:00 Uhr - 12:30 Uhr: Begrüßung & Einführungsvorträge:


Khola Maryam Hübsch, Bloggerin und Journalistin (Autorin des Buches "Unter dem Schleier die Freiheit - Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kann"): Vortrag zu Antimuslimischem Rassismus und zur Islamfeindlichkeit in Deutschland - eine aktuelle Bestandsaufnahme.


Dr. Zülfukar Cetin, aktiv u.a. im Türkischen Bund Berlin-Brandenburg, Autor des Buches "Homophobie und Islamophobie: Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin": Vortrag zur Frage, in welchen gesellschaftlichen Milieus Antimulimischer Rassismus wie stark verbreitet ist.


Vera Egenberger, Mitarbeiterin im Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. in Berlin: Vortrag zur Diskriminierung von Menschen muslimischen Glaubens in der Arbeitswelt.


12:30 bis 13:15 Uhr: Mittagspause mit Imbiss


13:15 Uhr - 15.30 Uhr: Arbeitsgruppen:


Arbeitsgruppe I: Anonyme Bewerbungen und Diversity Management (Umgang mit Vielfalt): Unterschiedliche Instrumente zum Abbau von Diskriminierung bei der Arbeits- und Lehrstellensuche. Mit Inputs von Hatice Durmaz, Vorsitzende des RAMSA e.V. - Rat muslimischer Studierender und Akademiker, und Andreas Merx, Mitarbeiter bei VIA Bayern - Verband für interkulturelle Arbeit e.V. und IQ-Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung.


Arbeitsgruppe II: Zum Umgang mit religiöser Diskriminierung in Betrieben und im Öffentlichen Dienst - Probleme und Lösungsstrategien. MitInputs von Esra Cakmakli, Bildungsreferentin, Mitglied im Vorstand der Schura Bremen (Dachverband islamischer Gemeinschaften) undundGülcan Yoksulabakan (Referentin für Diversity Management - AFZ-Bremen). Moderation: Dr. Asmus Nitschke, WISOAK (Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen)


Arbeitsgruppe III: Zur Diskriminierung durch religiösen Tendenzbetriebe, insbesondere die großen kirchlichen Arbeitgeber - unter besonderer Berücksichtigung des Ausschlusses von Menschen muslimischen Glaubens. Mit Inputs von Vera Egenberger, Mitarbeiterin im Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V. in Berlin und Uwe Schmid, ver.di Bremen


15:30 Uhr - 16:00: Kaffeepause


16:00 Uhr - 17:30 Uhr: Diskussionsveranstaltung: Von Sarrazin zu PEGIDA - Strategien gegen antimuslimischen Rassismus.Mit Inputs von:


Esra Cakmakli, Bildungsreferentin, Mitglied im Vorstand der Schura Bremen (Dachverband islamischer Gemeinschaften)

Nissar Gardi, Mitarbeiterin bei der DGB-Jugend, Jugendbildungsreferentin

Ikram Rimi, Juristin (Bachelor of Law), aktiv in der marokkanischen Community



Zur inhaltlichen Einstimmung:


Die aktuelle Situation scheint widersprüchlich: Einerseits hetzen Akteure wie AFD, PEGIDA & Co täglich gegen Migrant_innen, Flüchtlinge und Menschen muslimischen Glaubens, andererseits werden die Anschläge von Paris, die Massaker von Boko Haram oder das menschenverachtende Vorgehen des IS in Syrien und im Irak als Bestätigung dafür empfunden, dass tatsächlich Gefahr in der Luft läge. Dies zeigen auch zahlreiche Untersuchungen: So berichtete jüngst die Bertelsmann-Stiftung, dass 57 Prozent der nicht-muslimischen Bevölkerung in Deutschland den Islam als Bedrohung empfinden würden. In einer weiteren Untersuchung meinten 39 Prozent der Befragten, dass Menschen muslimischen Glaubens intolerant und gewalttätig seien.


Diese Werte können kaum überraschen, denn überall in Europa hetzen rechtspopulistische Bewegungen bereits seit langem gegen Muslime, eine wichtige Zäsur waren hier die Terroranschäge vom 11. September 2001. In Deutschland gab es bis vor kurzem keine offen rechtspopulistisch auftretende Partei, ganz zu schweigen von Massenprotesten wie derzeit in Dresden. Aber Leute wie der ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin oder Mainstream-Medien wie Bild und SPIEGEL schüren schon lange Angst. Und daran kann auch der Umstand nichts ändern, dass sich viele Medien-Vertreter_innen anlässlich der "Lügenpresse"-Parolen überwiegend gegen PEGIDA & Co. gestellt haben oder die Bundeskanzlerin betont, dass der Islam zu Deutschland gehöre.


Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Angst keineswegs nur auf Seiten der sogenannten Mehrheitsgesellschaft bzw. der Nicht-Muslime anzutreffen ist. Noch größere und vor allem wirklich begründete Sorgen und Ängste haben viele derjenigen, gegen die sich die alltägliche Hetze richtet. Was das konkret heißen kann, wird nicht nur bei den Zeug_innenaussagen im Rahmen des NSU-Prozesses in München deutlich oder bei den Reaktionen der muslimischen Communitys angesichts der steigenden Anzahl von Angriffen auf Moscheen. Auch als Antidiskriminierungsstelle bekommen wir regelmäßig mit, wie sehr sich Menschen muslimischen Glaubens (oder solche, die dafür gehalten werden) derzeit angefeindet sehen und welche Verunsicherungen und Verletzungen das nach sich ziehen kann. Stellvertretend sei daher aus einem Brief zitiert, den muslimische Künstler_innen und Intellektuelle bereits 2010 während der Sarrazin-Debatte verfasst haben: "Wir erleben, wie sich Teile der Bevölkerung von anderen absetzen. Wie Minderheiten ausgedeutet und öffentlich als "Andere" markiert werden. Die Tonlage ist oft genug nicht neugierig und gesprächsbereit, sondern aggressiv und diffamierend. Für Musliminnen und Muslime ist derzeit nicht einmal der Gang zum Zeitungshändler leicht, weil sie nie wissen, welche Schlagzeile, welches stereotype Bild sie dort erwartet. Auch in der Schule, bei der Arbeit und am Ausbildungsplatz kann es sein, dass einem Feindseligkeit entgegenschlägt."


All dies kann und darf so nicht weitergehen - deshalb laden wir zu diesem Fachtag gegen antimuslimischen Rassismus ein.


www.ada-bremen.de

Do

27

Nov

2014

Amtssprache Deutsch: Diskriminierung oder bloßes Verständigungsproblem?

ADA-Diskussionsveranstaltung: Datum: Mittwoch, 3.Dezember 2014, 17:00 Uhr

Nach einer Untersuchung des Allensbach-Institutes aus dem Jahr 2009 zum Thema Kommunikation zwischen der Bevölkerung und öffentlichen Verwaltungen gaben 86 % der Befragten an, Schwierigkeiten zu haben, amtliche Schreiben zu verstehen. Die Befragungspersonen benannten konkret „umständliche Formulierungen“ (71%), zu häufige Verwendung von Fach- und Fremdwörtern (60%) sowie die abgehobene (46%) und unpersönliche Form der Sprache (40 %) als Hindernisse.

Ort: café brand (hinter der VHS - Zweigstelle West), Link google-maps cafe brand, Gröpelinger Heerstraße 226, 28237 Bremen

 

Veranstaltung von ADA (Antidiskriminierung in der Arbeitswelt) mit folgenden Gästen:

 

  • Inga Schwarz (Hamburg), basis & woge e.V.
  • Sabaheta Brdar, Jobcenter Bremen (Beauftragte für Migration)
  • Herbert Thomsen, Bremer Erwerbslosenverband (bev)
  • N.N., Person mit Diskriminierungserfahrung

Im Rahmen unseres Beratungsangebotes für erwerbslose Migrant_innen im Bremer Westen stellen wir fest, dass ein Großteil der Ratsuchenden ähnliche Kommunikationsprobleme im Kontakt mit Behörden und schriftlichen Bescheiden hat, mit teils schwerwiegenden Folgen. Eine unserer Erfahrungen ist beispielsweise, dass die Bedeutung von Eingliederungsvereinbarungen die von Jobcentern und Agenturen erstellt werden, oft nicht bekannt ist. Empirische Untersuchungen, wie die Ergebnisse der SGB-II-Wirkungsanalyse, deuten darauf hin, daß mangelnde Sprachkenntnisse zu verspätetem Leistungsbezug für Erwerbslose führen können. Zusammenfassend läßt sich formulieren, dass es immer wieder zu sprachlicher Diskriminierung von Erwerbslosen kommt.

 

Hingegen empfinden Mitarbeiter_innen der Arbeitsverwaltungen Verständigungsschwierigkeiten aufgrund geringer Deutschkenntnisse als Störung ihrer behördlichen Abläufe. Um den rechtlichen Auftrag einer individuellen, fallbezogenen Begleitung der Kundinnen zu gewährleiten, ist der Personalschlüssel von 1:75 von Fallmanager_in und Erwerbslosen mit Migrationshintergrund eine erhebliche Belastung für eine gelingende Verständigung im Beratungsprozess.

 

Diese Erkenntnisse und Erfahrungen möchten wir zum Anlass nehmen, um im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zu thematisieren, wie die sprachliche Verständigung zwischen Erwerbslosen mit Migrationshintergrund und Mitarbeiter_innen der Arbeitsverwaltungen verbessert, sprachliche Barrieren und damit verbundene Diskriminierung abgebaut werden können.

 

Zu unseren Gästen:

 

basis & woge e.V. ist eine in Hamburg angesiedelte Einrichtung die seit 2005 im Feld der Antidiskriminierungsarbeit tätig ist. Homepage: www.basisundwoge.de

 

Der Bremer Erwerbslosenverband (bev) ist ein Interessenverband für Erwerbslose und von Armut bedrohte Menschen in Bremen. Homepage: www.bev-bremen.de

 

 

 

Flyer zur Veranstaltung am 3. Dezember 2014
ADA-VA_Amtssprache-Deutsch_final.pdf
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Do

16

Okt

2014

Feindbild Islam? Erfahrungen mit Antimuslimischem Rassismus in Bremen

Zeit & Ort: 18. Oktober 2014, 18:00 – 20:30 Uhr, Links-Treff im Bremer Osten (Walliser Straße 140, 28325 Bremen)

 

Antimuslimischer Rassismus wächst in Europa seit 9/11. Manche Personen, Parteien und Medien werfen „islamistischen“ Terrorismus in einen Topf mit dem Islam und verstärken Vorurteile noch.

Das führt zu Ausgrenzung auf allen Ebenen: SchülerInnen bekommen keine Gymnasialempfehlung, Menschen mit türkischem Namen werden häufiger abgelehnt bei Bewerbungen und Musliminnen mit Kopftuch wird der Arbeitszugang in manchen Bereichen ganz verwehrt.
 
DIE LINKE bekämpft alle Formen von Rassismus, egal ob er sich gegen Religion, Herkunft oder Hautfarbe eines Mitmenschen richtet.

Gemeinsam mit Betroffenen, VertreterInnen der muslimischen Gemeinde und BeraterInnen wollen wir uns mit Ihnen am18. Oktober ab 18 Uhr im Links-Treff des Bremer Ostens (Walliser Straße 140) über Erfahrungen zu antimuslimischem Rassismus in Bremen austauschen und mögliche Lösungen suchen

 

Mit

  • Ümmühan Çoğan (ATIB-Moschee)
  • Cindi Tuncel (MdBB, DIE LINKE)

  • Olaf Bernau (ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt)

  • Sofia Leonidakis (Moderation)

 

Do

16

Okt

2014

Dringend gesucht - Anerkennung nicht vorgesehen. Hausangestellte erstreiten sich ihre Rechte

Filmveranstaltung & Diskussion zu Hausangestellten

Im Anschluss an den Film werden die beiden Filmemacherinnen Anne Frisius und Mónica Orjeda sowie die Hausangestellte Tia H. für Rückfragen, Austausch und Diskussion zur Verfügung stehen. Weitere Informationen zum Film finden sich auf der Webseite der FilmemacherInnen kiezfilme, zudem sei auf den Reader „Gute Arbeit im Privathaushalt“ hingewiesen, den die Antidiskriminierungsstelle ADA im Oktober 2013 in Kooperation mit dem Runden Tisch Hausangestellte herausgegeben hat. Er findet sich hier unter der Rubrik Kooperationspartner/Runder Tisch Hausangestellte.

 

 

 

 

So

24

Aug

2014

Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Über ein vergessenes Kapitel der Geschichte

Ausstellung & Begleitprogramm

Zeit und Ort: 1. bis 23. September 2014 in der Unteren Rathaushalle (Markplatz Bremen), Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 19 Uhr, Eintritt frei.

 

Die Ausstellung

 

Über 20 Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus bzw. vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Viele von ihnen wurden in den damaligen Kolonien zwangsrekrutiert. Allerdings haben nur die wenigsten nach dem Krieg Pensionen oder Opferrenten erhalten. Gleichzeitig dienten weite Teile der kolonialisierten Welt als Schlachtfelder sowie Bezugsorte für kriegswichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel. Entsprechend hoch waren die Opferzahlen: Allein China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen, und auf den Philippinen mussten während der japanischen Besatzungszeit über 1 Millionen Menschen ihr Leben lassen, davon 100.000 bei Luftangriffen auf Manila. Hinzu kamen Hunderttausende Frauen, die vergewaltigt oder als Zwangsprostituierte verschleppt wurden – unter anderem 200.000 in japanische Militärbordelle.

 

Solche und viele weitere Fakten werden in der europäischen Öffentlichkeit bis heute weitgehend ausgeblendet. Die Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ verändert dies. Sie macht Schluss mit einer eurozentristischen Geschichtsschreibung, in der die Opfer der damaligen Dritten Welt nichts zählen. Im Zentrum steht stattdessen eine globale Perspektive, die nicht nur hierzulande unbekannte Zusammenhänge aufzeigt, sondern auch Chronologien und Gewichte verschiebt: Beispielsweise war der Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 lediglich der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa begonnen hat. Demgegenüber hatte in Afrika der Zweite Weltkrieg bereits 1935 mit dem Angriff Italiens auf das bis dahin unabhängige Äthiopien seinen Anfang genommen – mit 150.000 toten Zivilist_innen allein in den ersten sieben Kriegsmonaten. Kurzum: Die Ausstellung klärt auf. Sie macht unter anderem verständlich, weshalb der berühmte (in der Ausstellung ebenfalls zitierte) Historiker Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinents bei der Berliner Kongo-Konferenz im Jahre 1884/1885“ bezeichnet.

 

„Dritte Welt“ in der Debatte

 

Der Begriff „Dritte Welt“ ist schon lange in die Kritik geraten – spätestens mit Entstehung der Eine-Welt-Bewegung. Denn er behandelt völlig unterschiedliche Länder von Afrika bis in den Pazifik als Einheit, zudem scheint er diese sprachlich zwei Positionen unter der „Ersten Welt“ einzuordnen. Dennoch haben sich die Ausstellungsmacher_innen für die Verwendung dieses Begriffs entschieden – und das aus zwei Gründen: Zum einen, weil auch alternative Begriffe wie „Peripherie“, „Trikont“ oder „Entwicklungsländer“ mit ähnlichen Problemen behaftet sind. Zum anderen, weil es ursprünglich der algerische Befreiungstheoretiker Frantz Fanon war, der in seinem berühmten Buch „Die Verdammten dieser Erde“ die Bezeichung „Dritte Welt“ in Anlehnung an den „dritten Stand“ der Unterdrückten im feudalen Frankreich eingeführt hat: „Die Dritte Welt steht heute als eine kolossale Masse Europa gegenüber; ihr Ziel muss es sein, die Probleme zu lösen, die dieses Europa nicht hat lösen können.“ Mit anderen Worten: Die Ausstellungsmacher_innen teilen zwar die Bedenken an dem Begriff der Dritten Welt, weisen aber darauf hin, dass der abwertenden Lesart ein handfestes Missverständnis zugrundeliegt. Denn aus Sicht von Frantz Fanon handelt es sich um eine emanzipatorische Bezeichnung, ja um eine Art globalen Klassenbegriff, der den antikolonialen Befreiungsbewegungen den Rücken stärkt.

 

 

Das Begleitprogramm – mit Fokus Afrika

 

Eröffnungsveranstaltung

 

Dienstag, 2. September, 19 Uhr, Untere Rathaushalle. Mit Appolinaire Apetor-Koffi, Alioune Niang, Karl Rössel und Renate Raschen als Repräsentantin der Senatorin für Bildung und Wissenschaft

 

In der Eröffnungsveranstaltung berichten Bremer_innen afrikanischer Herkunft darüber, wann und wo sie das erste Mal mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Berührung gekommen sind und ob sich ihr Verhältnis hierzu verändert hat, nachdem sie in Europa angekommen sind. Im Anschluss wird Karl Rössel – als einer der Ausstellungskurator_innen – nicht nur über die Entstehung der Ausstellung berichten, sondern auch über die Geschichte des Projekts selbst: Wie ist die Ausstellung an den unterschiedlichen Orten aufgenommen worden, welche Debatten wurden angestoßen, wo ist es zu einem Wechselspiel mit tagespolitischen Ereignissen gekommen? Im Anschluss wird die Möglichkeit bestehen, sich einen ersten Eindruck von der Ausstellung zu verschaffen.

 

 

Spielfilm: Tage des Ruhms

 

Sonntag, 7. September, 17:30 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Regie: Rachid Bouchareb, Algerien/Marokko/Frankreich/Belgien 2006. OF franz./arab. m.dt.UT, 119 Minuten

 

Der algerische Regisseur Rachid Bouchareb erzählt die Geschichte von vier Kolonialsoldaten der französischen Streitkräfe im Zweiten Weltkrieg: von ihrer Rekrutierung in Nordafrika bis zu ihren Kämpfen gegen die deutsche Wehrmacht in Italien, der Provence und schließlich in einem abgelegenen elsässischen Dorf. Mit großartigen Schauspielern, die beim Filmfestival in Cannes 2007 kollektiv als beste männliche Hauptdarsteller ausgezeichnet wurden, wird von der weitgehend vergessenen Beteiligung Zehntausender afrikanischer Soldaten bei der Befreiung Frankreichs von der Naziherrschaft berichtet. Aufnahmen von französischen Friedhöfen, auf denen afrikanische Gefallene begraben sind, sowie von erbärmlichen Wohnheimen, in denen Veteranen aus dem Maghreb, die in Frankreich geblieben sind, bis in die Gegenwart leben müssen, verweisen auf die Geschichtsvergessenheit in Europa und die bis heute anhaltende Diskriminierung der Kolonialsoldaten in Frankreich.

 

 

Ruanda: Weiterleben nach dem Genozid

 

Dienstag, 9. September, 19 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13. Mit Esther Mujawayo

 

Esther Mujawayo wurde 1958 in Ruanda geboren. Sie ist Soziologin und arbeitete bis 1996 für die Entwicklungsorganisation Oxfam. Beim Völkermord in Ruanda 1994, den sie und ihre drei kleinen Töchter überlebten, wurden ihr Ehemann und der größte Teil ihrer Familie getötet. Eine ihrer Zufluchtstationen war das Hôtel des Mille Collines, das durch den Film Hotel Ruanda weltweit bekannt wurde. Nach dem Genozid gründete sie u.a. gemeinsam mit anderen Witwen die Organisation AVEGA, seit 2001 arbeitet sie als Traumatherapeutin im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. In ihrem Vortrag wird Esther Mujawayo – ausgehend von ihren beiden Büchern zum Völkermord – über die Herausforderung des Weiterlebens berichten, angefangen davon, „zum Leben verdammt zu sein“, bis zu ihrer Entscheidung zum „lebendigen Leben“ - einschließlich der Auseinandersetzung mit den Tätern. Sie wird aber auch über die historischen Hintergründe des Völkermords sprechen. Unter anderem darüber, dass die sozialen Kategorien „Tutsi“ und „Hutu“ erst unter der deutschen Kolonialherrschaft in Ruanda (1899-1919) ethnisiert bzw. rassistisch aufgeladen und sodann 1934 von der belgischen Kolonialmacht in die Ausweispapiere eingetragen wurden. In ihrer kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus wird auch der Zusammenhang zur Ausstellung deutlich. Denn die im Zweiten Weltkrieg praktizierte Zwangsrekrutierung von Soldaten in Afrika, die verschärfte Ressourcenausbeutung oder die Zurichtung der Landwirtschaft auf Exportbedürfnisse der kriegsführenden Industrieländer wäre ohne Kolonialismus nicht möglich gewesen.

 

 

Kongo: Wege aus der Ausbeutungs- und Gewaltspirale

 

Donnerstag, 11. September, 19 Uhr, DGB-Haus, Bahnhofsplatz 22-28. Mit Boniface Mabanza Bambu und Emmanuel Mbolela

 

Nicht nur das Uran für die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki stammte aus dem Kongo, auch ansonsten hat das Land mit seinen zahlreichen Bodenschätzen eine zentrale Rolle für die Kriegswirtschaft der alliierten Truppen gespielt. Damit setzte sich im Zweiten Weltkrieg die rücksichtslose Ausplünderung und Zerstörung des Kongo fort, die bereits mit der Sklaverei zu Beginn des 16. Jahrhunderts begonnen und bei der Kongokonferenz 1884/1885 in Berlin forciert wurde. Doch nicht nur das: Auch nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Kongo im Zentrum brutaler Interessenpolitik. Zunächst durch die 32-jährige, insbesondere von den USA aktiv unterstützte Mobutu-Diktatur, sodann im Zuge der vier Kongokriege zwischen 1996 und 2012. Grausame Konsequenz waren nicht nur Millionen Tote und Vertriebene, sondern auch eine in Trümmern liegende Infrastruktur sowie ein systematisch zerstörtes Staatswesen. In der Veranstaltung soll vor allem beleuchtet werden, wie es zu dieser beispiellosen Serie von Ausbeutung und Gewalt hat kommen können. Darüber hinaus werden praktische Lösungsansätze zur Debatte gestellt – auch mit Blick darauf, welche Rolle Entwicklungszusammenarbeit zukünftig spielen könnte.

 

Emmanuel Mbolela wurde 1973 in Mbuji-Mayi im Zentrum der Demokratischen Republik Kongo geboren. 2002 musste er das Land aus politischen Gründen verlassen, seit 2008 lebt er in den Niederlanden. Er ist aktiv im Netzwerk Afrique-Europe-Interact, im Mai 2014 ist sein Buch „Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil“ erschienen.

 

Boniface Mabanza Bambu, Dr. theol., studierte Philosophie, Literaturwissenschaften und Theologie in Kinshasa. Er ist Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg. Im Herbst erscheint sein neues Buch „Elemente einer Theologie des Lebens aus kongolesischer Perspektive“.

 

 

Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen – Eine Lebensgeschichte

 

Samstag, 13. September, 17 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13 Eine Lesung mit Marianne Bechhaus-Gerst (Köln)

 

Der Sudanese Mahjub bin Adam Mohamed ließ sich 1914 als Söldner (Askari) der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, anwerben. Ende 1929 kam er als Kolonialmigrant nach Deutschland. Er arbeitete als Kellner im Hotel Kempinski, beteiligte sich als Kiswahili-Lehrer am Orientalischen Seminar an den Bestrebungen, die deutschen Kolonien zurückzugewinnen, und spielte in den dreißiger Jahren kleinere Rolle in mehr als 20 Spielfilmen. Mahjub bin Adam Mohamed war ein von sich und seiner Ausstrahlung überzeugter Lebenskünstler, der sich nicht scheute, die im Deutschen Reich mit dem Mythos vom „treuen Askari“ verbundenen Emotionen für sich auszunutzen. Trotz der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime blieb er im Land und legte sich sogar mit den Behörden an. 1941 wurde der Unbeugsame zum Schweigen gebracht, indem man ihn ohne Prozess in das Konzentrationslager Sachsenhausen einwies, wo er drei Jahre später starb. In ihrem Buch „Treu bis in den Tod“ erzählt Marianne Bechhaus-Gerst die außergewöhnliche Familien- und Lebensgeschichte dieser afrikanisch-deutschen Persönlichkeit.

 

Marianne Bechhaus-Gerst ist Professorin für Afrikanistik an der Universität zu Köln

 

 

Dokumentarfilm: Blutsbrüder – Soldaten des Empires

 

Sonntag, 14. September, 17:30 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Regie: Bernard Simon, Frankreich 2008, OF franz. m. dt. UT, 90 Minuten

 

Der Film erzählt die Geschichte der Rekrutierung von Soldaten in Afrika durch die Kolonialmacht Frankreich, die schon vor 150 Jahren unter Napoleon III. begann. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Tirailleurs Sénegalais“, mit der die Franzosen seitdem all ihre Kolonialsoldaten aus Ländern südlich der Sahara titulierten, auch wenn diese – wie Hunderttausende im Ersten und Zweiten Weltkrieg – nicht aus dem Senegal stammten. In abgelegenen Gegenden West- und Zentralafrikas hat der Regisseur Veteranen aufgespürt, die bis zur Unabhängigkeit ihrer jeweiligen Länder in den 1960er Jahren für Frankreich Kriegsdienste leisteten, darunter auch solche, die 1944 in Tunesien, in Italien, auf der Insel Elba und bei der Befreiung Europas von der Naziherrschaft dabei gewesen waren. Der Film rückt ihre Einsätze in den Kontext der Kolonialgeschichte.

 

 

Der Zweite Weltkrieg als Herausforderung gemeinsamer Erinnerungsarbeit

 

Donnerstag, 18. September, 19 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13 Mit Jacob Emmanuel Mabe und Charlotte Wiedemann

 

„Die durch den Sklavenhandel und Kolonialismus geschlagenen Wunden haben sich sehr tief ins Gedächtnis der Afrikaner eingegraben“, so der Politikwissenschaftler und Philosoph Jacob Emmanuel Mabe. Allerdings hat Europa dafür bislang kaum Verantwortung übernommen, weshalb viele Intellektuelle in Afrika dem Projekt eines kollektiven afrikanisch-europäischen Gedächtnisses misstrauen. Ähnlich die Journalistin Charlotte Wiedemann: Sie fragt, ob es ein „multipolares Geschichtsverständnis“ geben kann. In ihrem viel diskutierten Buch „Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben“ spricht sie daher von der Notwendigkeit, „einen Blick auf die Welt zu werfen, der sich von der Enge des Eurozentrismus befreit.“ In der Veranstaltung wird es um die Frage gehen, unter welchen Voraussetzungen die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Afrika zum Gegenstand einer „gemeinsamen Erinnerungsarbeit“ (Jacob Emmanuel Mabe) werden kann. Eine Herausforderung, die auch für die alltägliche Entwicklungszusammenarbeit bedeutsam ist, stellt doch ein gemeinsames Verständnis von Geschichte eine der zentralen Voraussetzungen dafür dar, die vielfach geforderte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Afrika und Europa wirklich mit Leben zu erfüllen.

 

Dr. Dr. Dr. habil. Jacob Emmanuel Mabe, geboren in Mandoumba/Kamerun, ist Professor für Philosophie u.a. an der Freien Universität Berlin und Herausgeber der ersten Afrika-Enzyklopädie in deutscher Sprache. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigt er sich u.a. mit der Rehabilitierung mündlicher Überlieferung im Geschichtsdenken.

 

Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Le Monde diplomatique, Die ZEIT und die taz. im September erscheint ihr neues Buch „Mali oder das Ringen um Würde. Meine Reisen in einem verwundeten Land“.

 

 

Dokumentarfilm: „63 Jahre später...“

 

Sonntag, 21. September, 17:00 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Kim Dong-Won, Südkorea 2008, 60 Minuten, OF m. dt. UT

 

Mit bewegenden Interviews und beeindruckendem Archivmaterial dokumentiert der Film die sexuelle Versklavung Hunderttausender Frauen durch die japanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs in Asien und der Pazifikregion (1937-1945). Beispielhaft werden fünf Betroffene aus China, Korea, den Philippinen und den Niederlanden vorgestellt (die indonesischen Inseln waren bis zum japanischen Einmarsch eine niederländische Kolonie). Die von den japanischen Besatzern zynisch als «comfort women» («Trostfrauen») titulierten Überlebenden berichten von ihrer Verschleppung, ihrem qualvollen Alltag in den Militärbordellen und ihrem Leben in den 63 Jahren danach. Der Film wurde 2008 mit dem Asia Pacific Screen Award als beste Dokumentation ausgezeichnet und erhielt weitere Auszeichnungen auf internationalen Festivals.

 

 

Ausstellungskatalog

 

Als Ausstellungskatalog steht das vom Rheinischen JournalistInnenbüro und Recherche International e.V verfasste Buch „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ zur Verfügung, aus dem die Ausstellung ursprünglich hervorgegangen ist (444 Seiten, 415 Fotos). Es entstand auf der Grundlage langjähriger Recherchen und zahlreicher Interviews mit Veteranen, Zeitzeug_innen und Historiker_innen in 30 Ländern. Das in zahlreichen Rezensionen hochgelobte Buch wurde im Juli 2005 von 24 Kritiker_innen zum Buch des Monats gewählt. Darüber hinaus ist 2012 die zweite Auflage der Unterrichtsmaterialien zur Ausstellung erschienen – mit Hintergrundtexten, Fotogalerien, Zeittafeln, Karten und persönlichen Erinnerungen (236 Seiten).

 

 

Zum Besuch der Ausstellung

 

Die Wanderausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ wurde von dem in Köln ansässigen Verein Recherche International e.V. konzipiert und war seit ihrer Eröffnung 2009 in mehr als 40 deutschen und schweizerischen Städten zu sehen. Sie besteht aus Text- und Bildtafeln, Landkarten, Videodokumentationen und Hörstationen, an denen die Erinnerungen von Zeitzeug_innen mit deutscher Übersetzung zu hören sind. Das Kriegsgeschehen wird getrennt nach Kontinenten dargestellt, in zwei weiteren Abteilungen werden zudem die beiden Themen „Judenverfolgung außerhalb Europas“ und „Kollaboration von Politikern aus der Dritten Welt mit den faschistischen Achsenmächten“ präsentiert. Die Ausstellung kann in Gänze oder getrennt nach einzelnen Kontinenten bzw. Themenblöcken angeguckt werden. Sie richtet sich an ein allgemeines Publikum, insbesondere auch an Schulklassen.

 

Führungen finden regelmäßig statt, gerne auch in Kooperation mit Schulen. Dafür bitte an den gewerkschaftlichen Bildungsträger „Arbeit und Leben e.V.“ wenden: info@aulbremen.de, Telefon: (0421) 96089 – 0. Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich auf der Webseite der Ausstellung: www.3www2.de/.

 

Organisatoren & Förderer:

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden von folgenden Akteuren organisiert:

 

- Arbeit und Leben Bremen e.V.

- BeN – Bremer Entwicklungspolitisches Netzwerk e.V.

- biz – Bremer Informationzentrum für Menschenrechte und Entwicklung

- mate ni kani e.V.

- Afrika-Netzwerk Bremen

- Afrika-FreundInnen e.V.

- City 46 – Kommunalkino Bremen e.V.

- Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen

- Afrique-Europe-Interact

 

Das Projekt wird finanziell unterstützt von:

 

- Stiftung Die Schwelle

- Bundesprogramm Toleranz Fördern – Kompetenz stärken

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So

24

Aug

2014

Roma: Der jahrhundertealte Kampf um Recht und Gerechtigkeit

ADA-Diskussionsveranstaltung: Donnerstag, 19. Juni 2014, 19 Uhr, DGB-Haus (Hbf)

Mit Hasiba Dzemajlji: Roma-Aktivistin aus dem Kosovo, Rechts- und Sozialberaterin in Köln

 

Mit 10 bis 12 Millionen Menschen bilden die Roma die größte ethnische Minderheit in Europa, auch wenn nicht aus dem Blick verloren werden sollte, dass sich die verschiedenen Roma-Communities hinsichtlich Sprache, Kultur oder Religion zum Teil erheblich unterscheiden. Dabei ist die Geschichte der Roma bis heute eng mit Bildern von Migration, Nomadentum und Exil verknüpft. An diesem Vorurteil der „umherziehenden“ Roma konnte bislang auch die Tatsache nichts ändern, dass etwa 95 Prozent der Roma dauerhaft am gleichen Ort leben.

 

Doch das Stereotyp der Nicht-Sesshaftigkeit ist leider nur die Spitze des Eisbergs. So möchten nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Leipzig fast die Hälfte aller Bundesbürger_innen Roma aus den Innenstädten verbannt sehen, 56 Prozent meinten, diese neigten zur Kriminalität. In einer weiteren Studie brachten 80 Prozent der Teilnehmer_innen Roma mit Sozialleistungsmissbrauch in Zusammenhang, während 64 Prozent erklärten, keine Roma als Nachbar_innen haben zu wollen – der höchste Ablehnungswert unter allen von Diskriminierung betroffenen Gruppen überhaupt.

 

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass Roma nicht nur in Europa, sondern auch in Deutschland massiv benachteiligt werden – ob auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche oder im Gesundheitswesen. Verwiesen sei etwa auf eine 2012 veröffentlichte Studie, wonach 81 Prozent der Teilnehmer_innen Roma bejaht haben, dass sie in Deutschland bereits Diskriminierung erfahren hätten – ein ebenfalls überproportional hoher Wert. Nicht minder dramatisch ist, dass es auch staatliche Stellen sind, die massiv zur Diskriminierung beitragen. Neben Polizei und Behörden sei insbesondere der Umstand erwähnt, dass 44 Prozent aller Roma-Kinder die Schule ohne Abschluss verlassen. Hinzu kommt (als Maßnahme, die sich gegen Roma ohne deutsche Staatsbürgerschaft oder festen Aufenthaltsstatus richtet), dass die Bundesregierung nunmehr plant, die Länder Bosnien-Herzegowina, Serbien und Mazedonien per Gesetzesänderung zu „sicheren Herkunftsländern“ zu erklären und somit Asylanträge von Roma aus diesen Ländern quasi zu verunmöglichen - und das, obwohl das Stuttgarter Verwaltungsgericht erst Mitte März zwei Roma aus Serbien als Flüchtlinge anerkannt hat, weil Roma in Serbien extrem benachteiligt würden und gezwungen seien, am Rande der Gesellschaft zu leben.

 

In der Veranstaltung wird Hasiba Dzemajlji zum einen über Diskriminierung von Roma in den verschiedenen Lebensbereichen berichten, zum anderen über Roma-Selbstorganisierung und Widerstandsstrategien. Zudem werden lokale Akteure in kurzen Beiträgen aus dem Publikum auf die aktuelle Situation in Bremen bzw. Bremen-Nord eingehen.

 

Di

11

Feb

2014

Dritte Option? Nicht willkommen! Zur Diskriminierung von Trans*Personen in der Arbeitswelt

ADA-Veranstaltung, Dienstag, 4. März 2014, 19:00 Uhr, DGB-Haus

Mit folgenden Gästen:

 

  • Jannik Franzen (Berlin), Dipl.-Psychologe, Mitbegründer von TransInterQueer e.V.
  • Jonas Hamm, Vorsitzender von Trans*Recht e.V. (in Gründung), Mitarbeiter der Arbeitstelle gegen Diskriminierung und Gewalt – Expertise und Konfliktberatung (ADE), Uni Bremen
  • Ulrike Schilling, Gewerkschaftssekretärin, ver.di, Bremen-Nordniedersachsen

 

Transgeschlechtliche Menschen überschreiten die gesellschaftlich fest verankerte Einteilung aller Menschen in zwei Geschlechter, indem sie ihr Geschlecht verändern bzw. wechseln. Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit hat sich zwar in den vergangenen Jahren stark erhöht – als Gäste in Talkshows, als Thema einer Vielzahl von Fernsehdokumentationen und zuletzt als High-Fashion-Models in New York. Dies sollte jedoch nicht mit Liberalität oder Akzeptanz verwechselt werden. Denn Trans*Menschen werden in aller Regel als 'das Andere', ja Exotische dargestellt – eine Vorgehensweise, die vor allem der Versicherung der eigenen Normalität dient. Entsprechend gilt Transgeschlechtlichkeit bis heute offiziell als psychische Störung und somit erklärungsbedürftige Abweichung.

 

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass Trans*Personen massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind, nicht zuletzt in der Arbeitswelt: Trans*Personen sind überdurchschnittlich häufig von Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit sowie Armut betroffen und arbeiten sehr oft unter ihren Qualifikationen. Hinzu kommen diskriminierende Verhaltensweisen von Kolleg_innen und Vorgesetzten, beispielsweise Beschimpfungen, Outings vor Kund_innen, Ansprache mit dem früheren Geschlecht, störende Neugier, Belästigungen bis hin zu Gewalt. Dies sind Gründe, weshalb sich Trans*Personen immer wieder entscheiden, ihre Transgeschlechtlichkeit auf der Arbeit zu verbergen: Einerseits aus Angst vor Arbeitsplatzverlust, andererseits weil die Reaktionen auf ein Coming-out nicht selten negativ ausfallen.

 

In der Veranstaltung werden zunächst einige Grundlagen erläutert. Sodann soll es um Diskriminierungserfahrungen von Trans*Personen in der Arbeitswelt und anderen Lebensbereichen gehen. In diesem Zusammenhang wird auch die so genannte Mehrfachdiskriminierung eine wichtige Rolle spielen, also der Umstand, dass Menschen häufig wegen mehrerer Merkmale gleichzeitig diskriminiert werden – beispielsweise wegen ihres Migrationshintergrundes und ihrer transgeschlechtlichen Identität. Schließlich soll es auch um Interventionsmöglichkeiten und Widerstand gehen. Denn bei allen Schwierigkeiten haben Organisationen und Netzwerke von Trans*Personen in den letzten Jahren viele Erfolge errungen, sowohl auf der rechtlichen Ebene, als auch was die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Akzeptanz von Transgeschlechtlichkeit betrifft sowie den besseren Zugang zu Diskriminierungsschutz.

 

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite von TransInterQueer e.V.- einschließlich zahlreicher Links. Verwiesen sei zudem auf eine von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes herausgegebene Studie zur Diskriminierung von Trans*Personen, an der auch Jannik Franzen mitgewirkt hat.  

 

[*] Die Veranstaltung findet im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe zur Diskriminierung von MigrantInnen in der Arbeitswelt statt. Auf diese Weise möchten wir einen Beitrag zum besseren Verständnis von Mehrfachdiskriminierung leisten, also davon, dass Menschen häufig wegen mehrerer Merkmale gleichzeitig diskriminiert werden – beispielsweise wegen ihrer Herkunft und ihrer Geschlechtsidentität.

 

ADA-VA: Diskriminierung von Trans*
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Sa

16

Nov

2013

Gewichtsterror: Zur alltäglichen Diskriminierung dicker Menschen in der Arbeitswelt

ADA-Diskussionsveranstaltung, Montag, 9. Dezember, 17:00 bis 19:30 Uhr, DGB-Haus

Mit folgenden Gästen:

 

  • Natalie Rosenke: Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, Berlin (*)
  • Friedrich Schorb. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studiengang Public Health der Uni Bremen

 

Anlässlich des letztjährigen Anti-Diät-Tages titelte die Tageszeitung taz: „Die letzte Minderheit, die ungestraft diskriminiert werden darf: Dicke“. Das mag drastisch klingen, ist aber für dicke Menschen bitterer Alltag, wie die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung zu berichten weiß: „Vom zu engen U-Bahn-Sitz, der verweigerten Verbeamtung, der pauschalen Standpauke beim Arzt über die allgegenwärtigen Medienmeldungen, in denen Dicke als Problemfall abgetan werden, und Kommmentare von Fremden, Freunden und sogar der eigenen Familie, bis hin zum ständigen Fat Talk („Ich sollte das eigentlich nicht essen, bei meinem Gewicht“), mit dem insbesondere Frauen tagtäglich dutzende Male ihre Abgrenzung von Dicken signalisieren: Gewichtsdiskriminierung ist überall, verfolgt dicke Menschen von morgens bis abends, in der Regel gibt es nur wenige Rückzugsorte, in denen man einmal für kurze Zeit nicht diskriminiert wird.“

 

Besonders gravierend ist die Diskriminierung in der Arbeitwelt: Das betrifft nicht nur die viel zitierte Verbeamtung von dicken Menschen, obwohl bislang keine Studie der Welt nachgewiesen hat, dass Menschen mit einem hohen Bodymaß-Index nennenswert häufiger als Dünne das Alter von 67 nicht erreichen oder vorzeitig dienstunfähig werden. Auch bei Einstellungen, Beförderungen, Versetzungen oder Entlassungen spielt Gewichtsdiskriminierug immer wieder eine erhebliche Rolle – gleiches gilt für alltägliche Beleidigungen, Schikanen oder systematisches Mobbing durch ArbeitskollegInnen.

 

Friedrich Schorb (Autor u.a. von "Dick, doof und arm? Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert") wird in der Veranstaltung zunächst über allgemeine Aspekte von Gewichtsdiskriminierung berichten. Im Anschluss wird Natalie Rosenke dies mit zahlreichen Beispielen aus der Arbeitswelt vertiefen. In der gemeinsamen Diskussion soll es um die Frage gehen, wie dicke und dünne Menschen gegen Gewichtsdiskriminierung (nicht nur) in der Arbeitswelt vorgehen können – einschließlich der Frage, ob das derzeit in Bremen diskutierte Instrument der „Anonymen Bewerbungen“ geeignet ist, Gewichtsdiskriminierung während des Bewerbungsprozesses abzubauen (Stichwort: Bewerbungsfoto).

 

(*) Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung betreibt Aufklärung, berät dicke Menschen und fördert Forschung zur Gewichtdiskriminierung – ihre Devise lautet: „Wir verändern die Gesellschaft, nicht dicke Menschen.“ Mehr Infos: www.gewichtsdiskriminierung.de

ADA: VA zu Gewichtsdiskriminierung (09.12.2013)
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Fr

15

Nov

2013

Gute Arbeit im Haushalt: Bilanz und Perspektiven

Fünf Jahre Runder Tisch Hausangestellte in Bremen: 22. Oktober, 16 Uhr, Arbeitnehmerkammer

Bezahlte Hausarbeit ist allgegenwärtig. Und doch sind die Bedingungen, unter denen Hausangestellte arbeiten müssen, bis heute hochgradig prekär - nicht zuletzt für Papierlose bzw. Menschen mit ungesichertem Aufenthalt. Vor diesem Hintergrund lädt der Runde Tisch Hausangestellte am 22. Oktober (Dienstag) zu einer Veranstaltung ein, in der nicht nur Bilanz gezogen, sondern auch ein konkreter Vorschlag zur Gründung einer Haushaltsgenossenschaft in Bremen unterbreitet werden soll. Dazu möchten wir alle Interessierten ganz herzlich einladen:

„Gute Arbeit im Haushalt - Bilanz und Perspektiven", fünf Jahre Runder Tisch Hausangestellte in Bremen (2008 – 2013): Am Dienstag, 22. Oktober 2013, 16:00 - 19:00 Uhr im Kultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen, Bürgerstr. 1, 28195 Bremen.

Programm:

 

16.00 Begrüßung und Rückblick: Margareta Steinrücke, Karin Pape

16.30 Hausarbeit – Was kostet das? Fakten und Zahlen: Barbara Kiesling

16.45 Organisationsformen bezahlter Hausarbeit: Inge Danielzick

17.30 Alternativen für Bremen: Diskussionsrunden beim Kaffee

18.15 Das Genossenschaftsmodell als zukunftsfähiger Weg? Olaf Bernau

18.30 Ausblick und praktische Schritte

19.00 anschließend Imbiss und Getränke zum Beraten des weiteren Vorgehens

Bei der Veranstaltung wird auch ein Reader mit Texten verfügbar sein, die nicht nur über die aktuellen Bedingungen bezahlter Hausarbeit berichten, sondern auch Alternativen formulieren – unter anderem im Genossenschaftsbereich.

Da wir Getränke und einen kleinen Imbiss vorbereiten, wäre es freundlich, wenn sich Interessierte kurz anmelden würden, gerne auch kurzfristig (vgl. Flyer im Anhang).

Runder Tisch Hausangestellte Einladung 2
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Sa

07

Sep

2013

Anonyme Bewerbungen: Allheilmittel gegen Diskriminierung!?

Dienstag, 1. Oktober, 17.00 bis 19.30 Uhr, DGB-Haus Bremen

Diskussionsveranstaltung von ADA (Antidiskriminierung in der Arbeitswelt) mit folgenden Gästen:

 

  • Bülent Uzuner, Vorstand des IT-Consulting-Unternehmen BTC-AG (Oldenburg)
  • Jochen Kriesten, Verantwortlicher für die Kampagne „Du bist der Schlüssel!“ des öffentlichen Dienstes in Bremen
  • Esmahan Belhadj-Kouider, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR), Uni Bremen
  • Ursel Gerdes, Mitarbeiterin der Arbeitsstelle gegen Diskriminierung und Gewalt (ADE) an der Uni Bremen

 

Statistisch gesehen findet Diskriminierung bei Stellenbesetzungen vor allem im ersten Schritt des Bewerbungsprozesses statt. Denn in jener Phase haben Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Arbeitssuchende oder Frauen mit Kindern deutliche schlechtere Chancen, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat daher zwischen November 2010 und Dezember 2011 ein erstes Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungen durchgeführt. Beteiligt waren fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber; 246 Stellen wurden besetzt, mehr als 8.550 BewerberInnen haben sich anonymisiert beworben. Insgesamt haben nicht nur die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die BewerberInnen ein positives Fazit des Pilotprojekts gezogen.   Auch einige der beteiligten Arbeitgeber haben angekündigt, weiterhin mit anonymen Bewerbungen arbeiten zu wollen – wie es zum Beispiel in Belgien im Öffentlichen Dienst schon lange der Fall ist. Und doch wäre es verkehrt, Anonyme Bewerbungen als Allheilmittel zu betrachten, wie es in der öffentlichen Debatte bisweilen den Anschein macht. Denn die Anonymisierung betrifft lediglich die erste Stufe des Bewerbungsprozesses. Entsprechend erhalten Personalverantwortliche bereits vor dem Vorstellungsgespräch sämtliche Unterlagen, so dass Diskriminierung während oder nach dem Gespräch immer noch erfolgen kann. Hinzu kommt, dass Anonymisierung andere Diskriminierungsmechanismen nicht aufheben kann, beispielsweise die systematische Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungsystem oder eine fehlende Inklusionskultur für Menschen mit Behinderung. Vor diesem Hintergrund möchte die im Bremer Gewerkschaftshaus angesiedelte Antidiskriminierungsstelle ADA anonyme Bewerbungen auf den Prüfstand stellen. Einerseits, um aus unterschiedlichen (Erfahrungs-)Blickwinkeln zu beleuchten, unter welchen Umständen Anonymisierte Bewerbungen ein hilfreiches Instrument zur Vermeidung von Diskriminierung sein können. Andererseits, um abzuwägen, in welchem Verhältnis dieses Instrument zu anderen positiven Maßnahmen steht wie zum Beispiel ein fest verankertes Diversity-Verständnis, das bei „gleicher Eignung“ Frauen oder Jugendliche mit Migrationshintergrund bevorzugt, etwa in der Kampange „Du bist der Schlüssel!“.

Di

04

Dez

2012

“Halt! Polizei!” – Ethnisches Profiling im Spannungsfeld des Gleichbehandlungsgrundsatzes

Fachtag im Bremer Gewerkschaftshaus: 4. Dezember 2012

ADA, die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben (DGB/VHS) e.V. Bremen, die Polizei Bremen, der Bremer Rat für Integration und das Institut Français Bremen laden zur Fachtagung "Halt! Polizei! Ethnisches Profiling im Spannungsfeld des Gleichbehandlungsgrundsatzes im Rahmen der „MigrantInnentage 2012“ ein.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz (Urteil vom 28.02.2012, 5-K-1026-/11.KO) zur Auswahl von Personen zu Stichprobenkontrollen der Bundespolizei nach deren „Hautfarbe“ hat zu erheblichen Diskussionen über das Thema „ethnisches Profiling“ im polizeilichen Alltag geführt. Internationale und europäische Gremien wie der UN-Menschenrechtsausschuss, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und die Europäische Grundrechteagentur haben festgestellt, dass Personenkontrollen und Identitätsfeststellungen, die allein oder wesentlich auf Kriterien wie der zugeschriebenen ethnischen Zugehörigkeit oder „Hautfarbe“ einer Person basieren, gegen das Verbot rassistischer Diskriminierung verstoßen.

 

Mit diesem Fachtag wollen wir die Untersuchungsergebnisse zum Thema „Ethnisches Profiling bei polizeilichen Kontrollen“ durch die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte vorstellen. Wir wollen der Frage nachgehen, wann Profiling ein rechtmäßiges Untersuchungsverfahren in der Strafverfolgung sein kann, um bereits begangene Straftaten aufzuklären. Wir stellen auch die Frage, wann ein diskriminierendes ethnisches Profiling durch die Polizei vorliegt – also immer dann, wenn z. B. eine Entscheidung über die Ausübung der Polizeibefugnisse ausschließlich oder überwiegend auf der Nationalität, ethnischen Herkunft oder Religion der betreffenden Person basiert. Wir wollen erörtern, wie es zu einem diskriminierenden ethnischen Profiling in der Polizei und anderen Behörden, Organisationen oder Unternehmen kommen kann und wir wollen darüber sprechen, welche möglichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sinnvoll erscheinen, um ein solches Verhalten zu verhindern.

 

Zum Einstieg werden Anette Düring DGB Vorsitzende Region Bremen-Elbe-Weser und der Polizeipräsident Lutz Müller den Fachtag einleiten. Im Anschluss daran werden unter anderem Forschungsergebnisse der Europäischen Union, die Arbeit und Ausbildung der Polizei und persönliche Erfahrungsberichte aus Betroffenensicht erörtert. Weitere Diskussionsbeiträge von Dr. Asmus Nitschke, Vera Egenberger und Mouctar Bah entnehmen Sie bitte dem beiliegendem Flyer.

 

Fachtag, 04.Dezember 2012, von 9.00–17.30 Uhr im DGB Haus Bremen (Tivoli Saal), Bahnhofsplatz 22-28; 28195 Bremen

Der Fachtag ist nach dem Bremischen Bildungsurlaubsgesetz anerkannt! (Näheres entnehmen Sie bitte dem Flyer.)


Kooperationspartner: DGB | Gewerkschaft der Polizei | Hochschule für Öffentliche Verwaltung Kulturzentrum Lagerhaus Migration | Toleranz Jugend Verständigung e.V.

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Do

02

Feb

2012

Wir und Die: Diskriminierung, Ausgrenzung und Rechtspopulismus in Deutschland

ADA-Fachtag für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft am 02.12.2012

Überall in Europa nehmen rechtspopulistische bzw. menschenverachtende Vorurteile rasant zu. Ablesbar ist dies nicht nur an zahlreichen Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien oder dem gewaltigen Echo, das Thilo Sarrazin hierzulande mit seinem millionenfach verkauften Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“ erzielt hat.

Auch Umfrageergebnisse bestätigen diese Trends: So stimmen 58,4 Prozent der Aussage zu, wonach „für Muslime in Deutschland die Religionsausübung erheblich eingeschränkt werden sollte; knapp die Hälfte meinen, „es leben zu viele Ausländer in Deutschland“; und ein Viertel wünscht sich eine „starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Insbesondere zwei Tendenzen sollten in diesem Zusammenhang nicht aus dem Blick geraten: Zum einen, dass diskriminierende Einstellungen bereits seit Jahren vorwiegend in der Mitte der Gesellschaft stärker werden. Zum anderen, dass sich die Ablehnung keineswegs gegen MigrantInnen allein richtet. Der öffentliche Diskurs kreist vielmehr um so genannte Minderheiten überhaupt, die Rede ist von „Integrationsverweigern“, „antriebsschwachen Armen“ oder „faulen Griechen“. Ein längst erledigter Sozialrassismus scheint also wieder salonfähig zu werden; Wissenschaftlicher sprechen deshalb von einem „neuem Jargon der Verachtung“, ja von der Zunahme einer „Ideologie der Ungleichwertigkeit“.

 

Grundsätzlich verweist die Radikalisierung der Mitte darauf, dass es um gesamtgesellschaftliche Problematiken geht. Denn Rechtspopulismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind ohne die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich sowie tief sitzende Ängste vor sozialem Abstieg nicht verstehbar. Zugleich hat die gezielte Abwertung einzelner Gruppen mit so etwas wie Privilegiensicherung seitens derer zu tun, die sich als Teil der Mehrheitsgesellschaft begreifen. Beispielsweise sind es nicht die Hinterhofmoscheen, die allerorten Abwehr hervorrufen, sondern repräsentative Gotteshäuser, die Muslime als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft im Stadtbild sichtbar machen.

 

Auch Gewerkschaften sind hiervon betroffen. Zunächst einmal über all jene Mitglieder, die zur Zielscheibe von Diskriminierung und Ausgrenzung werden. Aber auch als Institution insgesamt. Denn wo gesamtgesellschaftlich immer wieder künstliche Gegensätze zwischen „Wir“ und „Die“ hergestellt und ganze Gruppen als vorgeblich nicht dazugehörig abgestempelt werden, steht der solidarische Zusammenhalt der Gesellschaft auf dem Spiel und somit das, wofür sich Gewerkschaften programmatisch schon seit jeher einsetzen.

 

Mit dem Fachtag möchten wir uns zum einen an die interessierte Öffentlichkeit richten, zum anderen an betriebliche InteressenvertreterInnen, Jugendliche aus Betrieben, GewerkschafterInnen, MitarbeiterInnen von Beratungsstellen, VertreterInnen von Betroffenenverbänden und FachpolitikerInnen. Ziel ist es, aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Zustandekommen und die Funktion von Diskriminierung zu verstehen, zugleich möchten wir zur Weiterentwicklung einer Antidiskriminierungskultur in Bremen beitragen – und das auch mit Blick auf die Entscheidung der Bremer Bürgerschaft vom 28.09.2011, wonach die Landesregierung die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes initiierte Absichtserklärung „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“ unterzeichnen möge.

 

Die Veranstaltung ist kostenlos und als Bildungsurlaub im Land Bremen anerkannt. Eine Freistellung nach Bremischen Bildungsurlaubsgesetz ist möglich. Um Anmeldung per Post, FAX oder Email wird gebeten (vgl. den Vordruck im anhängten Flyer): ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20

 

Programm:

 

11.00 Uhr: Begrüßung & Eröffnungsvortrag:

 

Über den Zusammenhang zwischen sozialer Krise und rechtspopulistischen Tendenzen in Deutschland bzw. Europa (30 Minuten): Christoph Butterwege, Professor an der Uni zu Köln

 

Im Anschluss: Kommentare zum Eröffnungsbeitrag & Diskussion:

 

* Annette Dühring, DGB-Vorsitzende Bremen-Elbe-Weser

* Volker Stahmann, 2. Bevollmächtiger der IG Metall

* Regine Geraedts, Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF)

 

13.00 bis 14.00 Uhr: Mittagspause mit Imbiss 

 

14 bis 16.30 Uhr: Arbeitsgruppen:

 

Arbeitsgruppe I: Rassismus & Diskriminierung im Betrieb. Moderation: Fuat Kamcili, 

Inputs: Mehmet Altun, Lagerhaus Migration; Frank Meng, Akademie für Arbeit und Politik; N.N.

 

Arbeitsgruppe II: Diskriminierung von Frauen mit muslimischen Hintergrund in der Arbeitswelt. Moderation: Margaretha Kurmann, Input: Esra Cakmakli, Uni Bremen

 

Arbeitsgruppe III: Diskriminierung und Ausgrenzung von Erwerbslosen, Obdachlosen, und DrogenkonsumentInnen. Moderation: Joachim Barloschky, Inputs: Herbert Tomsen, Bremer Erwerbslosenverband; Dr. Vera Bergmeyer, comebackgmbh (Ambulante Drogenhilfe)

 

17 Uhr – 19 Uhr: Abschlussveranstaltung: Für eine neue Antidiskriminierungskultur in Bremen

 

Gäste: Rainer Kuhn, Geschäftsführer ver.di; Birte Weiss, Basis & Woge/Antidiskriminierungsstelle in Hamburg; Kai Wehner, Landesverband der Gehörlosen Bremen e.V.; Libuse Cerna, Vorsitzende des Bremer Rats für Integration

 


WIR und DIE Fachttag Einladung.pdf
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Do

02

Dez

2010

Farbe bekennen

Gewerkschaften in Bremen zur aktuellen Integrationsdebatte am 02.12.2012 (ADA-Veranstaltung)

Mit uns diskutieren:

 

  • Nevin Lutz – GEW, Bundesausschuss für multikulturelle Angelegenheiten
  • Dieter Reinken, IG Metall 1. Bevollmächtigter
  • Mehmet Altun, Vertrauensmann ArcelorMittal
  • Sascha Groeters, ver.di Jugendsekretär

 

Die Veranstaltung wird organisiert von ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt – in Kooperation mit Lagerhaus/Migration und BeN/Bremer entwicklungspolitisches Netzwerk e.V.

 

 

Einladungstext:

 

Sarrazin war nur der Anfang: Nachdem der Ex-Bundesbankvorstand mit biologistischen Thesen muslimische ZuwandererInnen für die angebliche Verdummung der deutschen Gesellschaft verantwortlich gemacht hatte, ging es Schlag auf Schlag: Plötzlich wurde allerorten vor einer Ausweitung der Scharia gewarnt, die Behauptung zunehmender Deutschenfeindlichkeit geisterte durch die Presse, Bundeskanzlerin Merkel erklärte Multikulti für gescheitert und CSU-Chef Seehofer sprach sich für einen Zuwanderungsstop aus „anderen Kulturkreisen“ aus.

 

Die aktuelle Integrationsdebatte ist brandgefährlich: seit Monaten werden ganze Bevölkerungsgruppen systematisch diffamiert und öffentlich an den Pranger gestellt. Diese Ressentiments bereiten Rechtspopulisten den Weg, wie uns Erfahrungen aus Ländern wie Österreich oder den Niederlanden zeigen. Genau diese Debatte lenkt von dem drängenden Problem der Spaltung der Gesellschaft in arm und reich ab.

 

Um so auffälliger ist, dass sich die Gewerkschaften in der aktuellen Diskussion bislang kaum zu Wort gemeldet haben – immerhin sind Hundertausende ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund gewerkschaftlich organisiert. In der Veranstaltung werden VertreterInnen der Bremer Gewerkschaften zur aktuellen Integrationsdebatte Position beziehen, auch was eigene Versäumnisse in der Vergangenheit betrifft. Wir wollen gemeinsam ausloten, welchen Beitrag Gewerkschaften zur Versachlichung der Auseinandersetzung leisten können. Statt Gespensterdebatten über vermeintliche IntegrationsverweigerInnen zu führen, müssen vielmehr systematische Prozesse der Benachteiligung und Diskriminierung zur Sprache kommen – ob im Ausbildungssystem, der betrieblichen Interessenvertretung oder im Alltag der Kolleginnen und Kollegen. Integration darf keine Einbahnstraße sein; sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, in dem alle Beteiligten gleichermaßen gefordert sind.

 

Zeit: Donnerstag, 2. Dezember 2010, 18 bis 20 Uhr, Ort:  DGB-Haus/Tivoli-Saal

 

Flyer VA 02.12.2010.pdf
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Mi

10

Mär

2010

Papierlos heißt nicht rechtlos

ADA-Veranstaltung zur gewerkschaftlichten Unterstützung von Menschen ohne gesicherten Aufenthalt am 10.03.2010

Gäste:

 

  • Emilija Mitrovic/ver.di Hamburg, Mitbegründerin der Beratungsstelle MigrAr (Migration und Arbeit) beim DGB Hamburg 
  • Dirk Hauer, Leiter des Fachbereichs Migration und Existenzsicherung beim Diakonischen Werk Hamburg

Menschen ohne gesicherten Aufenthalt unterliegen insbesondere in der Arbeitswelt extremer Diskriminierung und Ausbeutung. Die Folgen sind für die Betroffenen in aller Regel fatal, zumal sie auch bei der medizinischen Versorgung, der Beschulung ihrer Kinder und der Suche nach geeignetem Wohnraum mit massiven Problemen konfrontiert sind. Hinzu kommt, dass gesetzliche und tarifliche Standards durch Dumping-Beschäftigung ebenfalls erheblich unter Druck geraten. Der DGB-Bundesvorstand hat daher bereits im April 2009 ein „Diskussionspapier zur Situation von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus“ vorgelegt, unter anderem wird dort die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Menschen mit ungesichertem Aufenthalt als Aufgabe der Gewerkschaften bestimmt. Hierzu passt, dass mittlerweile in verschiedenen Städten entsprechende, auch gewerkschaftlich (mit-)getragene Initiativen entstanden sind. Am weitesten sind die Bemühungen in Hamburg gediehen: Dort existiert seit Mai 2008 die von ver.di initiierte und seit jüngstem vom DGB Hamburg übernommene Beratungsstelle für Papierlose „MigrAr“ (Migration und Arbeit).

 

 

Emilija Mitrovic von ver.di/Hamburg ist bei MigrAr aktiv, sie wird von den konkreten (Beratungs-)Erfahrungen berichten, unter anderem darüber, wie Menschen ohne gesicherten Aufenthalt in Hamburg unbürokratisch Mitglied bei der Gewerkschaft werden und somit den DGB-Rechtsschutz in Anspruch nehmen können. Dirk Hauer vom Diakonischen Werk Hamburg wird zudem die Ergebnisse einer zusammen mit ver.di und der Nordelbischen Kirche durchgeführten Untersuchung vorstellen, welche Ende 2009 unter dem Titel „Leben in der Schattenwelt. Studie zur Situation von Menschen ohne gültige Papiere in Hamburg“ erschienen ist.

 

Ziel der Veranstaltung ist es, über die Frage ins Gespräch zu kommen, ob bzw. wie ein vergleichbares Angebot im Bremer DGB-Haus geschaffen werden könnte.

 

Wann: 10. März, 18.00 Uhr. Ort: DGB-Haus, Bahnhofsplatz 22-28

 

Veranstalter: DGB Region Bremen/Elbe-Weser, ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt, Runder Tisch Hausarbeit, MediNetz Bremen

 

 

Weitere Informationen:

 

Hamburger Studie „Leben ohne Papiere“:

 

http://www.diakonie-hamburg.de/kd.1126000849.10/info.html

 

Bremer Studie zur Gesundheitsversorgung von Papierlosen:

 

http://www.fluechtlingsinitiative-bremen.de/medinetz.html

 

Gewerkschaftliche Beratungsstelle für Papierlose in Hamburg:

 

http://besondere-dienste.hamburg.verdi.de/themen/migrar

 

Diskussionspapier DGB zur Situation von Papierlosen:

 

http://besondere-dienste.hamburg.verdi.de/themen/migrar/diskussion

 

ADA - Antidiskriminierung in der Arbeitswelt:

 

www.ada-bremen.de

 

 






ADA
Antidiskriminierung
in der Arbeitswelt

Sprechzeiten
Mo. bis Fr.: 9.00 bis 16.00 Uhr

 

Beratung
Während unserer Sprechzeiten können Sie Termine für Beratungsgespräche oder -telefonate vereinbaren.

 

Online-Beratung

Unsere Online-Beratung (Mail oder Chat) erreichen Sie direkt über unsere ADA-Online-Plattform

Kontakt
Tel.:
(0421) 960 89 14 oder 960 89 19 oder 015152527776 (in dringenden Beratungsfällen)


Mail: info@ada-bremen.de


Anschrift
Arbeit und Leben Bremen
5. Etage im DGB-Haus Bremen
Bahnhofsplatz 22-28
28195 Bremen

 

 

Eine Google-Umgebungskarte finden Sie unter Kontakt.