Einblick in unsere veranstaltungen 2016


07. dezember 2016 Was armut mit geschlecht, behinderung und migration zu tun hat

ADA-Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung

Mittwoch, 07. Dezember 2016, 17:30 Uhr, DGB-Haus Bremen (beim HBF)

 

Unsere Gäste:

 

Hadley Ossawe, Mütterzentrum Osterholz-Tenever e.V.

Wilhelm Winkelmeier, SelbstBestimmt Leben e.V. Bremen

Christa Bruns, Solidarische Hilfe e.V.

 

Thema der Veranstaltung:

 

Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und betrifft rund 12,5 Millionen Menschen. Als einkommensarm gilt jede Person, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt (dieser Wert beträgt für eine vierköpfige Familie ca. 2.000 Euro netto). Dabei handelt es sich um das gesamte Nettoeinkommen des Haushaltes – inklusive Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag oder anderer Transferleistungen bzw. Zuwendungen.

Bundesweiter Spitzenreiter ist bereits seit langem Bremen: Fast ein Viertel aller Bremer_innen sind arm. Das sind mehr Menschen als noch im Jahr 2009, mehr als in allen anderen Bundesländern und auch mehr als in den meisten anderen Großstädten. Nirgendwo leben so viele Kinder in materiell prekären Verhältnissen, nirgendwo ist die Pro-Kopf-Verschuldung so hoch wie hier. Besonders alarmierend ist die Situation in Bremerhaven. Dort leben bereits 38 Prozent der Kinder von Hartz IV. Gleichzeitig ist Bremen eine geteilte Stadt: Dort die Reichen, hier die Armen. Das Durchschnittseinkommen in Horn ist mit mehr als 100.000 Euro im Jahr sechsmal so hoch wie in den ärmsten Ortsteilen in der Neuen Vahr und Gröpelingen.

 

Menschen mit Migrationsbezügen, Frauen, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderungen sind überproportional stark von Armut bedroht. So liegt bei Personen mit Migrationsbezügen der Anteil armutsgefährdeter Menschen mit 26,6 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Personen ohne Migrationsbezügen. Eine Differenz, die insbesondere mit unterschiedlichen Chancen in der Arbeitswelt zusammenhängt. Ähnlich bei Frauen, vor allem bei Alleinerziehenden und Rentnerinnen. Hier spielt nicht nur die geringere Bezahlung in „frauentypischen“ Berufen eine wichtige Rolle, sondern auch der Umstand, dass Frauen und Alleinerziehende viel häufiger unfreiwillig in Teilzeit arbeiten oder ihre Erwerbsbiographie für Erziehung und/oder Pflege unterbrechen. Bei Menschen mit Behinderung ist zunächst einmal ihre überproportional starke Erwerbslosigkeit ein wichtiger Grund für ihre hohe Armutsgefährdung. Die hohe Erwerbslosigkeit ist dabei weniger durch die mit einer Behinderung einhergehenden körperlichen Einschränkungen bedingt als vielmehr das Ergebnis der langjährigen, auch von der Politik beförderten, Diskriminierung behinderter Menschen in Bezug auf berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass Bedarfe, die in Folge von Behinderung entstehen, nur eingeschränkt von der Allgemeinheit über Sozialversicherungen oder Sozialhilfe getragen werden. Menschen mit Assistenzbedarf und ihre Angehörigen verarmen dadurch über die Jahre und kommen oft nicht über einen Lebensstandard knapp über Hartz IV-Niveau hinaus.

 

In der Veranstaltung werden unsere Gäste nicht nur über die jeweiligen Zusammenhänge zwischen Armut, Geschlecht, Behinderung und Migration berichten. Vielmehr soll auch gemeinsam diskutiert werden, inwieweit es Überschneidungen zwischen den einzelnen Diskriminierungsverhältnissen gibt – unter anderem darüber, dass einzelne Personen aus mehreren Gründen gleichzeitig diskriminiert werden, sei es (um neu zwei Beispiele zu nennen) als alleinerziehende Mutter mit einem behinderten Kind oder als Migrant mit Assistenzbedarf.

 

Die Veranstaltung gehört zu einer Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung und wird in 2017 fortgesetzt. Bitte unsere diesbezüglichen Ankündigungen beachten. Weitere Infos auf unserer Webseite: www.ada-bremen.de


16. november 2016 fachtag antimuslimischer rassismus im fokus: Alte Debatten, neue zuspitzungen

ADA-Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung

Ort: DGB-Haus Bremen, Bahnhofsvorplatz 22 – 28

Veranstaltet von: ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt

Hinweis: Der Fachtag ist kostenlos und wird als Bildungsurlaub anerkannt

Anmeldung: Per Email, Post oder Fax, mit Angabe des gewünschten Workshops - bitte Name, Adresse, Geburtsdatum, E-Mail-Kontakt und Veranstaltungsnummer (HS 600.136) angeben: Mail: s.mebrahtu@aulbremen.de, Post: ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20

 

Programm des Fachtags

 

9.30 bis 10 Uhr I Ankommen & Anmeldung

 

10.00 bis 11.45 Uhr I Begrüßung und Einführungsvorträge

 

Ozan Keskinkilic, Politikwissenschaftler, Aktivist und politischer Bildner: "Aber Islam ist doch keine Rasse..." Muster des antimuslimischen Rassismus heute mit Blick auf gestern

 

Ismahan Wayah, Kultur-und Literaturwissenschaftlerin und Aktivistin: Rettet „die“ muslimische Frau? Debatten über Rassismus und Sexismus nach Köln

 

Merve Kayikci, Jurastudentin, Medienwissenschaftlerin, bloggt auf primamuslima.de: Literarischer Einwurf I

 

11.45 bis 12.45 Uhr I Mittagspause

 

11.45 bis 12.35 Uhr I Arbeitsgruppen-Phase

 

Arbeitsgruppe 1

H.-Eberhard Schultz (Menschenrechtsanwalt in Berlin, aktiv u.a. zu antimuslimischem Rassismus) und Sanchita Basu (Bildungsreferentin bei Reach out - Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus): Institutioneller und antimuslimischer Rassismus im rechtlichen Kontext – Perspektiven und Handlungs(un-)möglichkeiten

 

Arbeitsgruppe 2

Habiba Rode, Ayla Karaköz (Lehrerinnen für Deutsch und Religion), Esra Basha (Bildungsreferentin bei Al-Etidal): Streitstoff: Kopftuch im Lehramt und öffentlichen Dienst. Auswirkung und Bedeutung eines langen Diskurses

 

Arbeitsgruppe 3

Ebru Tasdemir (Journalistin, Neue Deutsche Medienmacher): Islamdiskurse und Antimuslimische Stereotype in den Medien

 

Arbeitsgruppe 4

Abdurrahim C. Dottermusch (Bildungsreferent und Moderator) und Ismahan Wayah (Kultur-und Literaturwissenschaftlerin, Aktivistin): Antimuslimischer Rassismus in der Arbeitswelt - Praxisreflexion, eigener Umgang und mögliche Lösungsansätze

(mit der Möglichkeit, in getrennten Räumen zu arbeiten, d. h. in Räumen für Menschen mit und ohne Rassismuserfahrungen)

 

14.45 bis 15.15 Uhr I Kaffeepause

 

15.15 - 15.30h I Merve Kayikci: Literarischer Einwurf II

 

15.30 - 17.15 Uhr I Podiumsdiskussion: Von der Beleidigung bis zur Morddrohung: Hate Speech im Internet – was tun?

 

Mit Simone Rafael (Chefredakteurin netz-gegen-nazis.de), Mely Kiyak (Schriftstellerin, freie Journalistin und Kolumnistin am Maxim Gorki Theater in Berlin) und Duygu Gezen (Social Media-Volontärin bei Radio Bremen)

 

17.15 - 17.30 Uhr I Merve Kayikci: Literarischer Einwurf III

 

17.30 Uhr I Ende der Veranstaltung

 

Begleitende Comic-Ausstellung „EbenSo“ von der Illustratorin und Comic-Künstlerin Soufeina "tuffix" Hamed: Zu sehen vom 14. bis 18. November im Foyer des DGB-Hauses zwischen 9 und 18 Uhr

 

Zur Einführung

 

„Der Islam passt nicht zu uns“: Darüber scheinen sich - gestern wie heute - erhebliche Teile der nicht-muslimischen Bevölkerung einig zu sein. Entsprechend zählt antimuslimischer Rassismus zum Standardrepertoire rechter und rechtspopulistischer Zusammenschlüsse: Während in Deutschland die AfD in einen Landtag nach dem nächsten einzieht und in Dresden Pegida wöchentlich gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes demonstriert, regieren in Polen und Ungarn Parteien, die Muslimfeindlichkeit ausdrücklich in ihr offizielles Programm aufgenommen haben, oder gewinnen in Frankreich der Front National und in Österreich die FPÖ immer weiter an Popularität. Des Weiteren ist antimuslimischer Rassismus ein Bindeglied zwischen Akteur_innen unterschiedlichster gesellschaftlicher und politischer Felder, besonders wenn es um die Einwanderungsdebatte geht. So stellt eine repräsentative Umfrage von 2016 fest, dass 41% der Befragten Muslim_innen die Einwanderung in Deutschland untersagen würden ("Mitte"-Studie der Uni Leipzig). Antimuslimischer Rassismus ist heute mehr denn je salonfähig – ob in der medialen Berichterstattung, im öffentlich-politischen Diskurs oder auf institutioneller Ebene.

 

Wie Muslime halt so sind“: Die Konstruktion des „Islam“ als das negativ besetzte und unvereinbar „Andere“, mit der vermeintlich „eigenen“ homogenen europäischen Wertegemeinschaft, hat eine lange Tradition, die weit vor den Angriffen am 11. September 2001 begann. Schon seit langem müssen muslimische Menschen und muslimische Lebenswelten als Projektionsfläche für soziale und politische Probleme wie zum Beispiel Kriminalität oder Sexismus herhalten – ob lokal oder global. Dass antimuslimische Ressentiments zurzeit breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, wird auch anhand der Debatten über die Kölner Silvesternacht deutlich. In Überschneidung mit weiteren Diskriminierungsverhältnissen wie Sexismus, Klassismus oder Homophobie, ist antimuslimischer Rassismus mittlerweile zu einem der prägenden Merkmale westlicher Gesellschaften geworden.

 

„Früher war ich Schriftstellerin, Übersetzerin, Mutter und Nachbarin. Heute bin ich nur noch die Muslimin.“ Antimuslimischer Rassismus drückt sich als Diskriminierungsform in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen aus: In der Schule, beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche. Brandanschläge auf islamische Gemeinden, Hate Speech in digitalen Netzwerken, verbale und physische Attacken auf muslimische Menschen – all dies nimmt beständig zu. Dabei betrifft antimuslimischer Rassismus nicht nur Menschen, die sich selbst als Muslim_innen bezeichnen. Sondern auch jene, die aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes, ihrer Sprache oder ihres Namens als Muslim_innen wahrgenommen werden.

 

In Form von Inputs und Workshops möchte ADA auf dem Fachtag einen Diskussion- und Reflexionsraum öffnen, um folgenden Fragen nachzugehen:

  • Welche gesellschaftlichen und politischen Funktionen kommen dem antimuslimischen Rassismus derzeit zu?
  • Wie äußert sich antimuslimischer Rassismus in unterschiedlichen Arbeits- und Handlungsfeldern – unter anderem in den Medien, im öffentlichen Dienst und in der Justiz?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten können wir entwickeln, um Diskriminierung entgegenzuwirken?
  • Welche Rolle spielen unsere eigenen, jeweils unterschiedlichen Betroffenheiten und Handlungen darin?

07. november 2016 diskriminiert und das mehrfach? aktuelle debatten und handlungsstrategien

Auftaktveranstaltung unserer ADA-Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung

Zeit & Ort: Montag, 7. November, 17:30 Uhr im DGB-Haus (beim Hbf)

 

Unsere Gäste:

 

  • Ayla Satilmis, verantwortlich für "e n t e r s c i e n c e”, ein intersektionelles Projekt an der Uni Bremen, das sich für die Öffnung der Hochschule Richtung Vielfalt einsetzt und gleichzeitig gegen Diskriminierung tätig ist.
  • Sogand Schorb: Sie ist vor 14 Jahren aus dem Iran zum Studium nach Deutschland gekommen.
  • Salma Arzouni, GLADT e.V. (Leiterin der Beratungsarbeit und Projektkoordinatorin): Der GLADT e.V. existiert seit 1997 und bietet psychosoziale Erstberatung u.a. zu Diskriminierung an. Er engagiert sich auf unterschiedlichen Ebenen gegen Rassismus, Sexismus, Trans*- und Homophobie sowie andere Formen von Diskriminierung.

 

Thema der Auftaktveranstaltung:

 

In der Auftaktveranstaltung werden unsere Gäste aus unterschiedlichen Blickwinkeln in das Thema der Mehrfachdiskriminierung einführen. Dabei wird es auch um praktische Fragestellungen gehen, beispielsweise welche Auswirkungen Mehrfachdiskriminierung auf das eigene Leben hat, nicht zuletzt bei der Erwerbsarbeit. In den weiteren Veranstaltungen der Reihe wollen wir uns genauer mit der Überschneidung verschiedener Merkmale wie Gewicht und Geschlecht oder Rassismus und Homophobie beschäftigen.

 

Weshalb eine Veranstaltungsreihe zu Mehrfachdiskriminierung?

 

„Ich bin schwul, ich bin jüdisch und ein Kommunist dazu. Ich bin schwarz und behindert, doch genauso Mensch wie du!“ (Wizo, Raum der Zeit)

Der Schutz vor Diskriminierung ist ein hohes Gut und wird in zahlreichen Rechtsnormen geregelt. Verschiedene Verbände, Beratungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen sowie aktivistische Zusammenschlüsse setzen sich für die Umsetzung von Diskriminierungsfreiheit ein. Zugrunde gelegt werden dabei meist einzelne Merkmale, auf die sich diskriminierendes Handeln bezieht: Geschlecht, sexuelle Orientierung, (zugeschriebene) Herkunft, Alter, Behinderung, Religionszugehörigkeit oder die Weltanschauung.

 

Doch lassen sich Menschen nicht auf eines dieser Merkmale reduzieren: Wir sind nicht nur lesbisch oder jung, nicht nur migrantischer Herkunft oder sehbehindert. Wir zeichnen uns vielmehr durch ganz verschiedene Merkmale aus. Dies gilt auch im Zusammenhang mit Diskriminierung. So werden beispielsweise nicht alle Frauen auf die gleiche Weise diskriminiert. Je nach Alter, Religion, Herkunft oder Hautfarbe kommen mehrere Dimensionen zusammen, die nicht voneinander getrennt werden können. Das führt dazu, dass eine ältere, weiße Frau eine andere Diskriminierung erfährt als eine Schwarze, jüngere Frau, worauf vor allem die Schwarze Frauenbewegung der 1970er Jahre in den USA hingewiesen hat. Auch im deutschen Kontext ist Mehrfachdiskriminierung ein Thema: So wird beispielsweise in der Diskriminierungsumfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes deutlich, dass sich über 40 Prozent der geschilderten Diskriminierungserfahrungen aufgrund des

Alters gleichzeitig auf das Geschlecht der Befragten beziehen.

 

Dennoch wird das Thema bisher vor allem auf zwei Ebenen verhandelt: Zum einen in der Wissenschaft als so genannte "Intersektionalität" (was grob mit "Überschneidungen" übersetzt werden kann). Zum anderen auf der Ebene der Betroffenen und des politischen Aktivismus. Hier haben sich teilweise spezifische Zusammenhänge gebildet, wie beispielsweise migrantische Frauen/Lesben/Trans-Gruppen. Aus diesen Zusammenschlüssen sind auch vereinzelt Beratungsstellen hervorgegangen, die sich speziell an solche mehrfachdiskriminierte Zielgruppen richten, wie etwa GLADT e.V. in Berlin.

 

Die weitaus meisten Beratungsstellen (genauso wie Betroffenen-Gruppen und aktivistischen Netzwerke) stellen jedoch weiterhin nur ein Merkmal in das Zentrum ihrer Arbeit: Das Geschlecht, das Alter, die Behinderung, die Herkunft usw. Dies hat diverse Vorteile, wie etwa einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz im jeweiligen Themengebiet. Je nach personeller Zusammensetzung der Beratungsstellen oder Gruppen ist auch ein Gefühl des ‚Aufgehoben-Seins‘ unter Gleichen für viele Betroffene wichtig. Umgekehrt kann diese merkmalspezifische Aufteilung dazu führen, dass Betroffene verunsichert sind, welche Gruppe oder Beratungsstelle die für sie ‚richtige‘ bzw. passende ist. Zudem kommt es immer wieder vor, dass Betroffene nur mit einem Teil ihrer Erfahrungen wahr- bzw. ernstgenommen werden – und zwar mit jenen Erfahrungen, die zum Schwerpunkt der jeweiligen Beratungsstelle oder Gruppe passen.

 

Mit der Veranstaltungsreihe zum Thema Mehrfachdiskriminierung wollen wir deshalb die Frage stellen, was Mehrfachdiskriminierung eigentlich ist, welche Rolle sie für Betroffene spielt und wie ihr angemessen begegnet werden kann – sowohl auf der Ebene der Betroffenen als auch in aktivistischer oder professioneller Hinsicht.

 

Nächste Veranstaltung:

 

Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, den 7. Dezember, um 17.30 Uhr im DGB-Haus statt. Das Thema wird Armut im Zusammenhang mit Behinderung, Geschlecht und Migration sein – als Gäste werden wir Vertreter_innen vom Mütterzentrum Tenever und SelbstBestimmt Leben e.V. begrüßen.


14. juni 2016 kein deutsch, keine leistung!?

Podiumsdiskussion zu Hürden und Herausforderungen in der Kommunikation mit deutschen Behörden

Zeit/Ort: 14. Juni 2016, 17 - 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek West/Lindenhofstraße 53, Bremen

 

Mit folgenden Gästen:

 

Angela Touré, Bremer Agentur für Arbeit

Lilli Hasche, acompa – Unabhängige Begleitgruppe für Geflüchtete und Migrant_innen

Herbert Thomsen, Bremer Erwerbslosenverband/BEV

 

Ankündigung:

 

Sprachliche Verständigung bildet eine der größten Barrieren, wenn es darum geht, Teil der Gesellschaft zu sein. Dies macht sich unter anderem bemerkbar in der Kommunikation mit öffentlichen Ämtern und staatlichen Institutionen, wie dem Jobcenter: Fach- und Fremdwörter, umständliche Formulierungen und Schachtelsätze lassen amtliche Schreiben oftmals als unlösbare Rätsel erscheinen. Umso schwieriger wird es für Menschen, die deutsch nicht als Erstsprache sprechen. Auf den Behörden selbst heißt es dann oft: „Hier wird Deutsch gesprochen“ – Wer sich in der Amtssprache Deutsch nicht verständigen kann, muss meistens eine_n eigene_n Dolmetscher_in organisieren – oder riskiert einen verspäteten bis eingestellten Leistungsbezug.

 

Um diesen sprachlichen Hürden entgegenzuwirken, stellen das Jobcenter Bremen und die Agentur für Arbeit seit Beginn 2015 ihren Kund_innen nicht nur mehrsprachige Formulare zur Verfügung sondern auch einen Dolmetscherdienst. Eine Studie vom Bremer Institut BISA + E zu Rassismus und Diskriminierung im Bremer Norden von 2015 ergab jedoch, dass die Zugangsbarrieren zu den öffentlichen Verwaltungsapparaten unverändert bestehen. Ähnliches berichten Mitarbeiter_innen von Beratungsstellen und Betroffene aus Bremen Stadt: Wer die Amtssprache Deutsch nicht ausreichend beherrscht, wird häufig benachteiligt.

 

In dieser Veranstaltung möchten wir diskutieren, welche (strukturellen) Hürden in Behörden, wie in der Agentur für Arbeit und im Jobcenter, weiterhin bestehen und welcher Handlungsbedarf sich daraus ergibt. Mit der Veranstaltung setzen wir eine Diskussion fort, die wir im Rahmen der Podiumsdiskussion „Amtssprache Deutsch: Diskriminierung oder bloßes Verständigungsproblem?“ vom 3.12.2014 bereits angestoßen hatten. Denn, heute wie vor zwei Jahren steht eins fest: Die Berücksichtigung sprachlicher Vielfalt ist ein zentraler Faktor für die gesellschaftliche und rechtliche Teilhabe und damit für den Zugang zu Ressourcen und Privilegien der Mehrheitsgesellschaft.

 

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Bremer Rat für Integration.


20. april 2016 von der meldung zum vorurteil

Podiumsdiskussion zur Benennung des "ethnischen" Hintergrunds durch Medien, Polizei und Innenbehörden

Zeit & Ort: 20. April 2016, 19 Uhr im DGB-Haus (Bahnhofsplatz 22–28, 28195 Bremen, beim Hbf). Veranstaltet von ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt

 

Mit folgenden Gästen:

 

Mohamed Amjahid, Politischer Reporter und Redakteur beim ZEITmagazin

 

Gerrit Busch, Freier Mitarbeiter bei der Nachrichtenredaktion von Radio Bremen und Buten & Binnen

 

Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Bremer Senators für Inneres, Journalistin und Krimiautorin

 

Ankündigung:

 

Spätestens seit den gewalttätigen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof ist in der Öffentlichkeit wieder verstärkt von der so genannten "Ausländerkriminalität" die Rede. Plötzlich scheint es wieder legitim, in der Berichterstattung routinemäßig auf den mutmaßlichen ethnischen Hintergrund von Straftatverdächtigen hinzuweisen – auch, um sich nicht dem von AFD, Pegida & Co lancierten Vorwurf auszusetzen, wichtige Tatsachen zu verschweigen. Einige Zeitungsverlage gehen noch weiter: Sie fordern, dass der Deutsche Presserat die Richtlinie 12.1 des Pressekodex ändern möge, wonach in der Berichterstattung über Straftaten "die Zugehörigkeit der Verdächtigten oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt wird, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht."

 

Ähnliche Entwicklungen sind auch in Bremen zu beobachten: Immer wieder ist im Zuge gestiegener Taschendiebstähle im Bahnhofsberich von kriminellen Geflüchteten die Rede, auch wenn meist relativierend hinzugefügt wird, dass es sich nur um eine "kleine Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge" handeln würde. Insofern dürfte es auch folgerichtig gewesen sein, dass im Weserkurier am 4. März 2016 anlässlich der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2015 durch den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer und den Polizeipräsidenten Lutz Müller ein Diagramm zu sehen war, das die "Beteiligung der verschiedenen Ethnien an Taschendiebstählen 2015 in Bremen" auflistet. Und dies mit äußerst fragwürdigen Kategorien: "10% Vorder- und Südasiaten", "10% Südosteuropäer", "12% Mitteleuropäer" und "66% Nord-/West-Afrikaner" (Sonstige: 2%).

 

Und doch, allen Stimmungen zum Trotz, die Realität sieht anders aus: Beispielsweise stellt der Chef der Brauschweiger Kripo Ulf Küch anlässlich seines frisch erschienen Buches "Soko Asyl" fest: "Der Anteil von Kriminellen, die mit den Flüchtlingen nach Deutschland eingereist sind, ist prozentual nicht höher als der Anteil von Kriminellen in der deutschen Bevölkerung." Ähnliches berichten Expert_innen schon seit Jahren: Menschen ohne deutschen Pass sind nicht krimineller, sie werden aber häufiger angezeigt. Wichtiger für Kriminalität sind stattdessen Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Bildung. Hinzu kommen diverse Verzerrungen in der Kriminalitätsstatistik, etwa durch bestimmte Delikte, die nur von Nicht-Deutschen begangen werden können.




Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.


In Kooperation mit: