Einblick in die ada-veranstaltungen 2014

18. oktober 2014 feindbild islam: erfahrungsaustausch zu antimuslimischem rassismus in bremen

Zeit & Ort: 18. Oktober 2014, 18:00 – 20:30 Uhr, Links-Treff im Bremer Osten (Walliser Straße 140, 28325 Bremen)

 

Antimuslimischer Rassismus wächst in Europa seit 9/11. Manche Personen, Parteien und Medien werfen „islamistischen“ Terrorismus in einen Topf mit dem Islam und verstärken Vorurteile noch.
Das führt zu Ausgrenzung auf allen Ebenen: SchülerInnen bekommen keine Gymnasialempfehlung, Menschen mit türkischem Namen werden häufiger abgelehnt bei Bewerbungen und Musliminnen mit Kopftuch wird der Arbeitszugang in manchen Bereichen ganz verwehrt.
DIE LINKE bekämpft alle Formen von Rassismus, egal ob er sich gegen Religion, Herkunft oder Hautfarbe eines Mitmenschen richtet.
Gemeinsam mit Betroffenen, VertreterInnen der muslimischen Gemeinde und BeraterInnen wollen wir uns mit Ihnen am18. Oktober ab 18 Uhr im Links-Treff des Bremer Ostens (Walliser Straße 140) über Erfahrungen zu antimuslimischem Rassismus in Bremen austauschen und mögliche Lösungen suchen

 

Mit

  • Ümmühan Çoğan (ATIB-Moschee)
  • Cindi Tuncel (MdBB, DIE LINKE)

  • Olaf Bernau (ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt)

  • Sofia Leonidakis (Moderation)


dringend gesucht, anerkennung nicht vorgesehen. hausangestellte erstreiten sich ihre rechte

Filmveranstaltung & Diskussion zu Hausangestellten

Im Anschluss an den Film werden die beiden Filmemacherinnen Anne Frisius und Mónica Orjeda sowie die Hausangestellte Tia H. für Rückfragen, Austausch und Diskussion zur Verfügung stehen. Weitere Informationen zum Film finden sich auf der Webseite der FilmemacherInnen kiezfilme.


1. - 23. september 2014 dritte welt im zweiten weltkrieg. über ein vergessenes kapitel der geschichte

Ausstellung & Begleitprogramm

Zeit und Ort: 1. bis 23. September 2014 in der Unteren Rathaushalle (Markplatz Bremen), Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 19 Uhr, Eintritt frei.

 

Die Ausstellung

 

Über 20 Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus bzw. vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Viele von ihnen wurden in den damaligen Kolonien zwangsrekrutiert. Allerdings haben nur die wenigsten nach dem Krieg Pensionen oder Opferrenten erhalten. Gleichzeitig dienten weite Teile der kolonialisierten Welt als Schlachtfelder sowie Bezugsorte für kriegswichtige Rohstoffe und Nahrungsmittel. Entsprechend hoch waren die Opferzahlen: Allein China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen, und auf den Philippinen mussten während der japanischen Besatzungszeit über 1 Millionen Menschen ihr Leben lassen, davon 100.000 bei Luftangriffen auf Manila. Hinzu kamen Hunderttausende Frauen, die vergewaltigt oder als Zwangsprostituierte verschleppt wurden – unter anderem 200.000 in japanische Militärbordelle.

 

Solche und viele weitere Fakten werden in der europäischen Öffentlichkeit bis heute weitgehend ausgeblendet. Die Ausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ verändert dies. Sie macht Schluss mit einer eurozentristischen Geschichtsschreibung, in der die Opfer der damaligen Dritten Welt nichts zählen. Im Zentrum steht stattdessen eine globale Perspektive, die nicht nur hierzulande unbekannte Zusammenhänge aufzeigt, sondern auch Chronologien und Gewichte verschiebt: Beispielsweise war der Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 lediglich der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa begonnen hat. Demgegenüber hatte in Afrika der Zweite Weltkrieg bereits 1935 mit dem Angriff Italiens auf das bis dahin unabhängige Äthiopien seinen Anfang genommen – mit 150.000 toten Zivilist_innen allein in den ersten sieben Kriegsmonaten. Kurzum: Die Ausstellung klärt auf. Sie macht unter anderem verständlich, weshalb der berühmte (in der Ausstellung ebenfalls zitierte) Historiker Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso den Zweiten Weltkrieg als „größten historischen Einschnitt für Afrika seit dem Sklavenhandel und der Zerstückelung des afrikanischen Kontinents bei der Berliner Kongo-Konferenz im Jahre 1884/1885“ bezeichnet.

 

„Dritte Welt“ in der Debatte

 

Der Begriff „Dritte Welt“ ist schon lange in die Kritik geraten – spätestens mit Entstehung der Eine-Welt-Bewegung. Denn er behandelt völlig unterschiedliche Länder von Afrika bis in den Pazifik als Einheit, zudem scheint er diese sprachlich zwei Positionen unter der „Ersten Welt“ einzuordnen. Dennoch haben sich die Ausstellungsmacher_innen für die Verwendung dieses Begriffs entschieden – und das aus zwei Gründen: Zum einen, weil auch alternative Begriffe wie „Peripherie“, „Trikont“ oder „Entwicklungsländer“ mit ähnlichen Problemen behaftet sind. Zum anderen, weil es ursprünglich der algerische Befreiungstheoretiker Frantz Fanon war, der in seinem berühmten Buch „Die Verdammten dieser Erde“ die Bezeichung „Dritte Welt“ in Anlehnung an den „dritten Stand“ der Unterdrückten im feudalen Frankreich eingeführt hat: „Die Dritte Welt steht heute als eine kolossale Masse Europa gegenüber; ihr Ziel muss es sein, die Probleme zu lösen, die dieses Europa nicht hat lösen können.“ Mit anderen Worten: Die Ausstellungsmacher_innen teilen zwar die Bedenken an dem Begriff der Dritten Welt, weisen aber darauf hin, dass der abwertenden Lesart ein handfestes Missverständnis zugrundeliegt. Denn aus Sicht von Frantz Fanon handelt es sich um eine emanzipatorische Bezeichnung, ja um eine Art globalen Klassenbegriff, der den antikolonialen Befreiungsbewegungen den Rücken stärkt.

 

 

Das Begleitprogramm – mit Fokus Afrika

 

Eröffnungsveranstaltung

 

Dienstag, 2. September, 19 Uhr, Untere Rathaushalle. Mit Appolinaire Apetor-Koffi, Alioune Niang, Karl Rössel und Renate Raschen als Repräsentantin der Senatorin für Bildung und Wissenschaft

 

In der Eröffnungsveranstaltung berichten Bremer_innen afrikanischer Herkunft darüber, wann und wo sie das erste Mal mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Berührung gekommen sind und ob sich ihr Verhältnis hierzu verändert hat, nachdem sie in Europa angekommen sind. Im Anschluss wird Karl Rössel – als einer der Ausstellungskurator_innen – nicht nur über die Entstehung der Ausstellung berichten, sondern auch über die Geschichte des Projekts selbst: Wie ist die Ausstellung an den unterschiedlichen Orten aufgenommen worden, welche Debatten wurden angestoßen, wo ist es zu einem Wechselspiel mit tagespolitischen Ereignissen gekommen? Im Anschluss wird die Möglichkeit bestehen, sich einen ersten Eindruck von der Ausstellung zu verschaffen.

 

 

Spielfilm: Tage des Ruhms

 

Sonntag, 7. September, 17:30 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Regie: Rachid Bouchareb, Algerien/Marokko/Frankreich/Belgien 2006. OF franz./arab. m.dt.UT, 119 Minuten

 

Der algerische Regisseur Rachid Bouchareb erzählt die Geschichte von vier Kolonialsoldaten der französischen Streitkräfe im Zweiten Weltkrieg: von ihrer Rekrutierung in Nordafrika bis zu ihren Kämpfen gegen die deutsche Wehrmacht in Italien, der Provence und schließlich in einem abgelegenen elsässischen Dorf. Mit großartigen Schauspielern, die beim Filmfestival in Cannes 2007 kollektiv als beste männliche Hauptdarsteller ausgezeichnet wurden, wird von der weitgehend vergessenen Beteiligung Zehntausender afrikanischer Soldaten bei der Befreiung Frankreichs von der Naziherrschaft berichtet. Aufnahmen von französischen Friedhöfen, auf denen afrikanische Gefallene begraben sind, sowie von erbärmlichen Wohnheimen, in denen Veteranen aus dem Maghreb, die in Frankreich geblieben sind, bis in die Gegenwart leben müssen, verweisen auf die Geschichtsvergessenheit in Europa und die bis heute anhaltende Diskriminierung der Kolonialsoldaten in Frankreich.

 

 

Ruanda: Weiterleben nach dem Genozid

 

Dienstag, 9. September, 19 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13. Mit Esther Mujawayo

 

Esther Mujawayo wurde 1958 in Ruanda geboren. Sie ist Soziologin und arbeitete bis 1996 für die Entwicklungsorganisation Oxfam. Beim Völkermord in Ruanda 1994, den sie und ihre drei kleinen Töchter überlebten, wurden ihr Ehemann und der größte Teil ihrer Familie getötet. Eine ihrer Zufluchtstationen war das Hôtel des Mille Collines, das durch den Film Hotel Ruanda weltweit bekannt wurde. Nach dem Genozid gründete sie u.a. gemeinsam mit anderen Witwen die Organisation AVEGA, seit 2001 arbeitet sie als Traumatherapeutin im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. In ihrem Vortrag wird Esther Mujawayo – ausgehend von ihren beiden Büchern zum Völkermord – über die Herausforderung des Weiterlebens berichten, angefangen davon, „zum Leben verdammt zu sein“, bis zu ihrer Entscheidung zum „lebendigen Leben“ - einschließlich der Auseinandersetzung mit den Tätern. Sie wird aber auch über die historischen Hintergründe des Völkermords sprechen. Unter anderem darüber, dass die sozialen Kategorien „Tutsi“ und „Hutu“ erst unter der deutschen Kolonialherrschaft in Ruanda (1899-1919) ethnisiert bzw. rassistisch aufgeladen und sodann 1934 von der belgischen Kolonialmacht in die Ausweispapiere eingetragen wurden. In ihrer kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus wird auch der Zusammenhang zur Ausstellung deutlich. Denn die im Zweiten Weltkrieg praktizierte Zwangsrekrutierung von Soldaten in Afrika, die verschärfte Ressourcenausbeutung oder die Zurichtung der Landwirtschaft auf Exportbedürfnisse der kriegsführenden Industrieländer wäre ohne Kolonialismus nicht möglich gewesen.

 

 

Kongo: Wege aus der Ausbeutungs- und Gewaltspirale

 

Donnerstag, 11. September, 19 Uhr, DGB-Haus, Bahnhofsplatz 22-28. Mit Boniface Mabanza Bambu und Emmanuel Mbolela

 

Nicht nur das Uran für die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki stammte aus dem Kongo, auch ansonsten hat das Land mit seinen zahlreichen Bodenschätzen eine zentrale Rolle für die Kriegswirtschaft der alliierten Truppen gespielt. Damit setzte sich im Zweiten Weltkrieg die rücksichtslose Ausplünderung und Zerstörung des Kongo fort, die bereits mit der Sklaverei zu Beginn des 16. Jahrhunderts begonnen und bei der Kongokonferenz 1884/1885 in Berlin forciert wurde. Doch nicht nur das: Auch nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Kongo im Zentrum brutaler Interessenpolitik. Zunächst durch die 32-jährige, insbesondere von den USA aktiv unterstützte Mobutu-Diktatur, sodann im Zuge der vier Kongokriege zwischen 1996 und 2012. Grausame Konsequenz waren nicht nur Millionen Tote und Vertriebene, sondern auch eine in Trümmern liegende Infrastruktur sowie ein systematisch zerstörtes Staatswesen. In der Veranstaltung soll vor allem beleuchtet werden, wie es zu dieser beispiellosen Serie von Ausbeutung und Gewalt hat kommen können. Darüber hinaus werden praktische Lösungsansätze zur Debatte gestellt – auch mit Blick darauf, welche Rolle Entwicklungszusammenarbeit zukünftig spielen könnte.

 

Emmanuel Mbolela wurde 1973 in Mbuji-Mayi im Zentrum der Demokratischen Republik Kongo geboren. 2002 musste er das Land aus politischen Gründen verlassen, seit 2008 lebt er in den Niederlanden. Er ist aktiv im Netzwerk Afrique-Europe-Interact, im Mai 2014 ist sein Buch „Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Exil“ erschienen.

 

Boniface Mabanza Bambu, Dr. theol., studierte Philosophie, Literaturwissenschaften und Theologie in Kinshasa. Er ist Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg. Im Herbst erscheint sein neues Buch „Elemente einer Theologie des Lebens aus kongolesischer Perspektive“.

 

 

Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen – Eine Lebensgeschichte

 

Samstag, 13. September, 17 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13 Eine Lesung mit Marianne Bechhaus-Gerst (Köln)

 

Der Sudanese Mahjub bin Adam Mohamed ließ sich 1914 als Söldner (Askari) der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, anwerben. Ende 1929 kam er als Kolonialmigrant nach Deutschland. Er arbeitete als Kellner im Hotel Kempinski, beteiligte sich als Kiswahili-Lehrer am Orientalischen Seminar an den Bestrebungen, die deutschen Kolonien zurückzugewinnen, und spielte in den dreißiger Jahren kleinere Rolle in mehr als 20 Spielfilmen. Mahjub bin Adam Mohamed war ein von sich und seiner Ausstrahlung überzeugter Lebenskünstler, der sich nicht scheute, die im Deutschen Reich mit dem Mythos vom „treuen Askari“ verbundenen Emotionen für sich auszunutzen. Trotz der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime blieb er im Land und legte sich sogar mit den Behörden an. 1941 wurde der Unbeugsame zum Schweigen gebracht, indem man ihn ohne Prozess in das Konzentrationslager Sachsenhausen einwies, wo er drei Jahre später starb. In ihrem Buch „Treu bis in den Tod“ erzählt Marianne Bechhaus-Gerst die außergewöhnliche Familien- und Lebensgeschichte dieser afrikanisch-deutschen Persönlichkeit.

 

Marianne Bechhaus-Gerst ist Professorin für Afrikanistik an der Universität zu Köln

 

 

Dokumentarfilm: Blutsbrüder – Soldaten des Empires

 

Sonntag, 14. September, 17:30 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Regie: Bernard Simon, Frankreich 2008, OF franz. m. dt. UT, 90 Minuten

 

Der Film erzählt die Geschichte der Rekrutierung von Soldaten in Afrika durch die Kolonialmacht Frankreich, die schon vor 150 Jahren unter Napoleon III. begann. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Tirailleurs Sénegalais“, mit der die Franzosen seitdem all ihre Kolonialsoldaten aus Ländern südlich der Sahara titulierten, auch wenn diese – wie Hunderttausende im Ersten und Zweiten Weltkrieg – nicht aus dem Senegal stammten. In abgelegenen Gegenden West- und Zentralafrikas hat der Regisseur Veteranen aufgespürt, die bis zur Unabhängigkeit ihrer jeweiligen Länder in den 1960er Jahren für Frankreich Kriegsdienste leisteten, darunter auch solche, die 1944 in Tunesien, in Italien, auf der Insel Elba und bei der Befreiung Europas von der Naziherrschaft dabei gewesen waren. Der Film rückt ihre Einsätze in den Kontext der Kolonialgeschichte.

 

 

Der Zweite Weltkrieg als Herausforderung gemeinsamer Erinnerungsarbeit

 

Donnerstag, 18. September, 19 Uhr, Überseemuseum, Bahnhofsplatz 13 Mit Jacob Emmanuel Mabe und Charlotte Wiedemann

 

„Die durch den Sklavenhandel und Kolonialismus geschlagenen Wunden haben sich sehr tief ins Gedächtnis der Afrikaner eingegraben“, so der Politikwissenschaftler und Philosoph Jacob Emmanuel Mabe. Allerdings hat Europa dafür bislang kaum Verantwortung übernommen, weshalb viele Intellektuelle in Afrika dem Projekt eines kollektiven afrikanisch-europäischen Gedächtnisses misstrauen. Ähnlich die Journalistin Charlotte Wiedemann: Sie fragt, ob es ein „multipolares Geschichtsverständnis“ geben kann. In ihrem viel diskutierten Buch „Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben“ spricht sie daher von der Notwendigkeit, „einen Blick auf die Welt zu werfen, der sich von der Enge des Eurozentrismus befreit.“ In der Veranstaltung wird es um die Frage gehen, unter welchen Voraussetzungen die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Afrika zum Gegenstand einer „gemeinsamen Erinnerungsarbeit“ (Jacob Emmanuel Mabe) werden kann. Eine Herausforderung, die auch für die alltägliche Entwicklungszusammenarbeit bedeutsam ist, stellt doch ein gemeinsames Verständnis von Geschichte eine der zentralen Voraussetzungen dafür dar, die vielfach geforderte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Afrika und Europa wirklich mit Leben zu erfüllen.

 

Dr. Dr. Dr. habil. Jacob Emmanuel Mabe, geboren in Mandoumba/Kamerun, ist Professor für Philosophie u.a. an der Freien Universität Berlin und Herausgeber der ersten Afrika-Enzyklopädie in deutscher Sprache. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigt er sich u.a. mit der Rehabilitierung mündlicher Überlieferung im Geschichtsdenken.

 

Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Le Monde diplomatique, Die ZEIT und die taz. im September erscheint ihr neues Buch „Mali oder das Ringen um Würde. Meine Reisen in einem verwundeten Land“.

 

Dokumentarfilm: „63 Jahre später...“

 

Sonntag, 21. September, 17:00 Uhr, Kommunalkino City 46, Birkenstr. 1. Kim Dong-Won, Südkorea 2008, 60 Minuten, OF m. dt. UT

 

Mit bewegenden Interviews und beeindruckendem Archivmaterial dokumentiert der Film die sexuelle Versklavung Hunderttausender Frauen durch die japanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs in Asien und der Pazifikregion (1937-1945). Beispielhaft werden fünf Betroffene aus China, Korea, den Philippinen und den Niederlanden vorgestellt (die indonesischen Inseln waren bis zum japanischen Einmarsch eine niederländische Kolonie). Die von den japanischen Besatzern zynisch als «comfort women» («Trostfrauen») titulierten Überlebenden berichten von ihrer Verschleppung, ihrem qualvollen Alltag in den Militärbordellen und ihrem Leben in den 63 Jahren danach. Der Film wurde 2008 mit dem Asia Pacific Screen Award als beste Dokumentation ausgezeichnet und erhielt weitere Auszeichnungen auf internationalen Festivals.

 

Ausstellungskatalog

Als Ausstellungskatalog steht das vom Rheinischen JournalistInnenbüro und Recherche International e.V verfasste Buch „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ zur Verfügung, aus dem die Ausstellung ursprünglich hervorgegangen ist (444 Seiten, 415 Fotos). Es entstand auf der Grundlage langjähriger Recherchen und zahlreicher Interviews mit Veteranen, Zeitzeug_innen und Historiker_innen in 30 Ländern. Das in zahlreichen Rezensionen hochgelobte Buch wurde im Juli 2005 von 24 Kritiker_innen zum Buch des Monats gewählt. Darüber hinaus ist 2012 die zweite Auflage der Unterrichtsmaterialien zur Ausstellung erschienen – mit Hintergrundtexten, Fotogalerien, Zeittafeln, Karten und persönlichen Erinnerungen (236 Seiten).

 

Zum Besuch der Ausstellung

Die Wanderausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ wurde von dem in Köln ansässigen Verein Recherche International e.V. konzipiert und war seit ihrer Eröffnung 2009 in mehr als 40 deutschen und schweizerischen Städten zu sehen. Sie besteht aus Text- und Bildtafeln, Landkarten, Videodokumentationen und Hörstationen, an denen die Erinnerungen von Zeitzeug_innen mit deutscher Übersetzung zu hören sind. Das Kriegsgeschehen wird getrennt nach Kontinenten dargestellt, in zwei weiteren Abteilungen werden zudem die beiden Themen „Judenverfolgung außerhalb Europas“ und „Kollaboration von Politikern aus der Dritten Welt mit den faschistischen Achsenmächten“ präsentiert. Die Ausstellung kann in Gänze oder getrennt nach einzelnen Kontinenten bzw. Themenblöcken angeguckt werden. Sie richtet sich an ein allgemeines Publikum, insbesondere auch an Schulklassen.

 

Führungen finden regelmäßig statt, gerne auch in Kooperation mit Schulen. Dafür bitte an den gewerkschaftlichen Bildungsträger „Arbeit und Leben e.V.“ wenden: info@aulbremen.de, Telefon: (0421) 96089 – 0. Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich auf der Webseite der Ausstellung: www.3www2.de/.

 

Organisatoren & Förderer:

 

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden von folgenden Akteuren organisiert:

 

- Arbeit und Leben Bremen e.V.

- BeN – Bremer Entwicklungspolitisches Netzwerk e.V.

- biz – Bremer Informationzentrum für Menschenrechte und Entwicklung

- mate ni kani e.V.

- Afrika-Netzwerk Bremen

- Afrika-FreundInnen e.V.

- City 46 – Kommunalkino Bremen e.V.

- Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen

- Afrique-Europe-Interact

 

Das Projekt wird finanziell unterstützt von:

- Stiftung Die Schwelle

- Bundesprogramm Toleranz Fördern – Kompetenz stärken


19. juni 2014 der jahrhundertealte kampf um recht und gerechtigkeit

ADA-Diskussionsveranstaltung  DGB-Haus

Mit Hasiba Dzemajlji: Roma-Aktivistin aus dem Kosovo, Rechts- und Sozialberaterin in Köln

 

Mit 10 bis 12 Millionen Menschen bilden die Roma die größte ethnische Minderheit in Europa, auch wenn nicht aus dem Blick verloren werden sollte, dass sich die verschiedenen Roma-Communities hinsichtlich Sprache, Kultur oder Religion zum Teil erheblich unterscheiden. Dabei ist die Geschichte der Roma bis heute eng mit Bildern von Migration, Nomadentum und Exil verknüpft. An diesem Vorurteil der „umherziehenden“ Roma konnte bislang auch die Tatsache nichts ändern, dass etwa 95 Prozent der Roma dauerhaft am gleichen Ort leben.

 

Doch das Stereotyp der Nicht-Sesshaftigkeit ist leider nur die Spitze des Eisbergs. So möchten nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Leipzig fast die Hälfte aller Bundesbürger_innen Roma aus den Innenstädten verbannt sehen, 56 Prozent meinten, diese neigten zur Kriminalität. In einer weiteren Studie brachten 80 Prozent der Teilnehmer_innen Roma mit Sozialleistungsmissbrauch in Zusammenhang, während 64 Prozent erklärten, keine Roma als Nachbar_innen haben zu wollen – der höchste Ablehnungswert unter allen von Diskriminierung betroffenen Gruppen überhaupt.

 

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass Roma nicht nur in Europa, sondern auch in Deutschland massiv benachteiligt werden – ob auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche oder im Gesundheitswesen. Verwiesen sei etwa auf eine 2012 veröffentlichte Studie, wonach 81 Prozent der Teilnehmer_innen Roma bejaht haben, dass sie in Deutschland bereits Diskriminierung erfahren hätten – ein ebenfalls überproportional hoher Wert. Nicht minder dramatisch ist, dass es auch staatliche Stellen sind, die massiv zur Diskriminierung beitragen. Neben Polizei und Behörden sei insbesondere der Umstand erwähnt, dass 44 Prozent aller Roma-Kinder die Schule ohne Abschluss verlassen. Hinzu kommt (als Maßnahme, die sich gegen Roma ohne deutsche Staatsbürgerschaft oder festen Aufenthaltsstatus richtet), dass die Bundesregierung nunmehr plant, die Länder Bosnien-Herzegowina, Serbien und Mazedonien per Gesetzesänderung zu „sicheren Herkunftsländern“ zu erklären und somit Asylanträge von Roma aus diesen Ländern quasi zu verunmöglichen - und das, obwohl das Stuttgarter Verwaltungsgericht erst Mitte März zwei Roma aus Serbien als Flüchtlinge anerkannt hat, weil Roma in Serbien extrem benachteiligt würden und gezwungen seien, am Rande der Gesellschaft zu leben.

 

In der Veranstaltung wird Hasiba Dzemajlji zum einen über Diskriminierung von Roma in den verschiedenen Lebensbereichen berichten, zum anderen über Roma-Selbstorganisierung und Widerstandsstrategien. Zudem werden lokale Akteure in kurzen Beiträgen aus dem Publikum auf die aktuelle Situation in Bremen bzw. Bremen-Nord eingehen.


04. März 2014 dritte option? nicht willkommen! zur diskriminierung von trans*personen in der arbeitswelt

ADA-Veranstaltung um 19:00 Uhr im DGB-Haus

Mit folgenden Gästen:

  • Jannik Franzen (Berlin), Dipl.-Psychologe, Mitbegründer von TransInterQueer e.V.
  • Jonas Hamm, Vorsitzender von Trans*Recht e.V. (in Gründung), Mitarbeiter der Arbeitstelle gegen Diskriminierung und Gewalt – Expertise und Konfliktberatung (ADE), Uni Bremen
  • Ulrike Schilling, Gewerkschaftssekretärin, ver.di, Bremen-Nordniedersachsen

Transgeschlechtliche Menschen überschreiten die gesellschaftlich fest verankerte Einteilung aller Menschen in zwei Geschlechter, indem sie ihr Geschlecht verändern bzw. wechseln. Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit hat sich zwar in den vergangenen Jahren stark erhöht – als Gäste in Talkshows, als Thema einer Vielzahl von Fernsehdokumentationen und zuletzt als High-Fashion-Models in New York. Dies sollte jedoch nicht mit Liberalität oder Akzeptanz verwechselt werden. Denn Trans*Menschen werden in aller Regel als 'das Andere', ja Exotische dargestellt – eine Vorgehensweise, die vor allem der Versicherung der eigenen Normalität dient. Entsprechend gilt Transgeschlechtlichkeit bis heute offiziell als psychische Störung und somit erklärungsbedürftige Abweichung.

 

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass Trans*Personen massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind, nicht zuletzt in der Arbeitswelt: Trans*Personen sind überdurchschnittlich häufig von Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit sowie Armut betroffen und arbeiten sehr oft unter ihren Qualifikationen. Hinzu kommen diskriminierende Verhaltensweisen von Kolleg_innen und Vorgesetzten, beispielsweise Beschimpfungen, Outings vor Kund_innen, Ansprache mit dem früheren Geschlecht, störende Neugier, Belästigungen bis hin zu Gewalt. Dies sind Gründe, weshalb sich Trans*Personen immer wieder entscheiden, ihre Transgeschlechtlichkeit auf der Arbeit zu verbergen: Einerseits aus Angst vor Arbeitsplatzverlust, andererseits weil die Reaktionen auf ein Coming-out nicht selten negativ ausfallen.

 

In der Veranstaltung werden zunächst einige Grundlagen erläutert. Sodann soll es um Diskriminierungserfahrungen von Trans*Personen in der Arbeitswelt und anderen Lebensbereichen gehen. In diesem Zusammenhang wird auch die so genannte Mehrfachdiskriminierung eine wichtige Rolle spielen, also der Umstand, dass Menschen häufig wegen mehrerer Merkmale gleichzeitig diskriminiert werden – beispielsweise wegen ihres Migrationshintergrundes und ihrer transgeschlechtlichen Identität. Schließlich soll es auch um Interventionsmöglichkeiten und Widerstand gehen. Denn bei allen Schwierigkeiten haben Organisationen und Netzwerke von Trans*Personen in den letzten Jahren viele Erfolge errungen, sowohl auf der rechtlichen Ebene, als auch was die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Akzeptanz von Transgeschlechtlichkeit betrifft sowie den besseren Zugang zu Diskriminierungsschutz.

 

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite von TransInterQueer e.V.- einschließlich zahlreicher Links. Verwiesen sei zudem auf eine von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes herausgegebene Studie zur Diskriminierung von Trans*Personen, an der auch Jannik Franzen mitgewirkt hat.  

 

[*] Die Veranstaltung findet im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe zur Diskriminierung von MigrantInnen in der Arbeitswelt statt. Auf diese Weise möchten wir einen Beitrag zum besseren Verständnis von Mehrfachdiskriminierung leisten, also davon, dass Menschen häufig wegen mehrerer Merkmale gleichzeitig diskriminiert werden – beispielsweise wegen ihrer Herkunft und ihrer Geschlechtsidentität.

 



Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“
wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.


In Kooperation mit: