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Pressestimmen zu unserer Initiative zu Innerbetrieblichen Besschwerdestellen

Anlässlich unserer Veranstaltung am 29.10.2015 haben mehrere Bremer Medien ausführlich über unsere Initiative zu Innerbetrieblichen Beschwerdestellen berichtet - namentlich der Weserkurier, buten und binnen (TV), die taz Bremen sowie der Weserreport. Alle Berichte sind hier dokumentiert. 

Wenn Diskriminierung krank macht (Weserkurier, 30.10.2015)

Von Frauke Fischer


Diskriminierung – das Wort ist sperrig. Doch was der Begriff umschreibt, ist im Alltag so gegenwärtig wie vielfältig. Da ist die Mittdreißigerin, die trotz bester Qualifikation die unbefristete Festanstellung nach vielen Projektaufträgen nicht bekommt, weil der Arbeitgeber im Hinterkopf hat, dass sie in kürzester Zeit nach Arbeitsantritt schwanger werden und im Betrieb Monate ausfallen könnte. Da ist der junge Hochschulabsolvent, den der Name im Bewerbungsschreiben als Mann mit türkischen Wurzeln ausweist. Und da ist der schwer gehbehinderte Mitarbeiter im Rollstuhl, der von seinem Bürokollegen jeden Morgen mit „Na, du Rolli!“ begrüßt wird, obwohl der Angesprochene sich den Witz längst verbeten hat.


Diskriminierung hat oft einen mobbingartigen Charakter“, sagt Olaf Bernau. Der Soziologe arbeitet seit sechs Jahren in der Beratungsstelle Antidiskriminierung in der Arbeitswelt (ADA) im Gewerkschaftshaus am Bahnhofsplatz. Und er kennt durch die Gespräche mit Betroffenen die verschiedenen Formen von Diskriminierung, Beleidigung, Belästigung und Erniedrigung in Unternehmen, die sich auf Geschlecht, Glauben, sexuelle Ausrichtung oder Behinderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beziehen. Die Konflikte treten zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern auf, im Kollegenkreis, aber auch im Kontakt mit Kunden oder Geschäftspartnern. Seit 2006 gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland, innerbetriebliche Beschwerdestellen sind seitdem vorgeschrieben, um Diskriminierungsfälle zu prüfen, abzustellen oder um ihnen vorzubeugen. Doch vielfach, so Bernau, gibt es solche Anlaufstellen gar nicht, oder sie sind so ausgestattet, das sie nicht funktionieren können. Aus Sicht des Soziologen profitieren auch Arbeitgeber. Nach Schätzungen gingen deutschen Unternehmen jedes Jahr 20 bis 30 Milliarden Euro durch ungelöste Konflikte verloren. Mitarbeiter würden krank oder könnten nicht mehr effizient arbeiten.


In einer Abendveranstaltung haben ADA und das Bremer Netzwerk gegen Diskriminierung das Thema am Donnerstag aufgegriffen. Mit dabei: die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, denn auch auf Bundesebene soll darüber gewacht werden, dass Menschen nicht wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität, wegen ihres Geschlechts, ihres Alters oder einer Behinderung verunglimpft werden.

Einfach, das sagt Bernau, ist ein Nachweis nicht. Betroffene seien oft unsicher, ob die erfahrene Beleidigung eine Diskriminierung sei. Selten geschieht der Angriff so offen, wie bei der Chefin, die einer körperlich eingeschränkten Mitarbeiterin klar sagte, sie könne froh sein, dass man sie mit ihrem Handicap beschäftige. Die Muslima mit Kopftuch, die nach einem Bewerbungsgespräch eine Absage von einem Bremer Unternehmen erhielt und sich an ADA wendete, erlebte die Diskriminierung unterschwelliger. Sie war aber nach ihrem Glauben gefragt worden. Das, so Bernau, sei nicht gestattet.


Bremer Arbeitgeber wie Sparkasse, Daimler oder Mondelez bemühen sich um Antidiskriminierungsinstrumente, heißt es von dort. Die Sparkasse hat eine Schwerbehindertenvertretung, eine Sozialberatung und ein Sorgentelefon. Außerdem, so Sprecherin Nicola Oppermann, werde jährlich eine Umfrage unter Mitarbeitern für den deutschlandweiten Wettbewerb „Great Place to Work“ gemacht, in dem es um Diversity, also Vielfalt und Verschiedenheit, geht. Diskriminierungsvorfälle seien dort nie genannt worden, so Oppermann.

Auf Vielfalt und Wertschätzung werde auch bei Mondelez International (vormals Kraft Foods) großer Wert gelegt. Es gebe speziell geschulte Ansprechpartner, ein anonymisiertes Verfahren über eine Telefon-Hotline und ein Online-Portal, schildert Mondelez-Sprecher Jonas Numrich. Und für den Daimler-Konzern erklärt deren Sprecherin Kathrin Schnurr, es gebe auf allen Ebenen Ansprechpartner und Beratungsstellen für Mitarbeiter. Die Daimler AG habe sich bereits 2005 zur Initative „Fairer Umgang“ verpflichtet.


Für Olaf Bernau ist die Atmosphäre insgesamt entscheidend. „Wenn Konflikte auftreten, zeigt das, dass im Betrieb keine gute Kommunikationskultur herrscht.“ Oft würden „Interessensdifferenzen“ eskalieren, wenn es keine Anlaufstellen zur Klärung gebe. Stehe ein Unternehmen wirtschaftlich unter Druck, gebe es hohe Zielvorgaben und große Arbeitsverdichtung, befördere auch das Konflikte.


Die Sorge von Skeptikern, Beschwerdestellen würden Denunziantentum befeuern oder Betriebsabläufe lahmlegen, teilt der Soziologe nicht. „Je länger und je besser so etwas im Betrieb verankert wird, desto weniger Fälle gibt es meistens.“


Der Artikel findet sich auch auf der Webseite vom Weserkurier.

Diskriminierung in der Arbeitswelt (buten und binnen, 29.10.2015)

Diskriminierung durch Chefs oder Kollegen haben schon viele Menschen erlebt. Dumme Sprüche oder schlechtere Behandlung wegen des Alters, des Geschlechts oder der Herkunft sind keine Seltenheit. Aber Unternehmen nehmen das Problem nicht ernst, wie die Bremer Antidiskriminierungsstelle ADA meint. Firmen sollten endlich ihre gesetzliche Pflicht erfüllen und innerbetriebliche Beschwerdestellen einrichten, so die ADA.



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"Konflikte verursachen Kosten (Weserreport,01.11.2015)

Das Interview mit unserem Mitarbeiter Olaf Bernau steht als PDF zur Verfügung.


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Gerechtigkeit im Job: Beschwert euch! (taz, 29.10.2015)

Die Bremer Beratungsstelle „Antidiskriminierung in der Arbeitswelt“ (ADA) hat ein großes Ziel: Bremen soll ein „Antidiskriminierung-Leuchtturm“ werden, und zwar durch die flächendeckende Einrichtung innerbetrieblicher Beschwerdestellen. Die sollen für die Umsetzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in der Arbeitswelt sorgen.


Mit einer Podiumsdiskussion am heutigen Donnerstag und einem Fachtag im November in Kooperation mit dem Bremer Netzwerk gegen Diskriminierung stellt ADA „Handreichungen zu innerbetrieblichen Beschwerdeverfahren“ vor und will Betriebe von der Idee der Beschwerdestellen überzeugen. Dabei ist sich ADA-Mitarbeiter Olaf Bernau bewusst, dass hier Arbeit geleistet werden muss, die seit fast zehn Jahren vernachlässigt wird. Denn das AGG stammt aus dem Jahr 2006. „Es schreibt explizit das Beschwerderecht von ArbeitnehmerInnen fest sowie die Pflicht des Arbeitgebers, jede Beschwerde zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Diskriminierung abzustellen“, sagt Bernau.“ Aber: „Im Jahr 2009 war das AGG nur 30 Prozent der Deutschen überhaupt bekannt.“ Mittlerweile habe sich zwar herumgesprochen, dass diskriminierende Stellenanzeigen verboten sind und benachteiligte ArbeitnehmerInnen Rechtsansprüche geltend machen können, „aber viele Betriebe denken, dass sie bereits genug täten“, sagt Bernau. Schließlich, so deren Argument, gebe es ja einen Betriebsrat und Gremien wie Schwerbehinderten-, Gleichstellungs- oder Mobbingbeauftragte. Ein Betriebsrat allein könne aber nicht auch noch Beschwerdestelle sein, sagt Bernau, „das liegt außerhalb ihres Kerngeschäfts“. Und wo sollen ArbeitnehmerInnen eine Diskriminierung anzeigen, wenn es gar keinen Betriebsrat gibt? Beauftragte gebe es daneben fast nur in großen Betrieben, sagt Bernau, „und für rassistische Diskriminierungen gibt es nirgends eine Anlaufstelle“.


Kleine Unternehmen wüssten nicht, wie sie eine Beschwerdestelle überhaupt einrichten sollten: „Sie innerhalb eines drei-Mann-Unternehmens zu installieren, ist tatsächlich nicht praktikabel“, sagt auch Bernau. Nötig sind sie seiner Meinung nach dennoch: „Gerade in kleinen Betrieben werden Diskriminierungen oft bagatellisiert.“ Eine mögliche Lösung sieht er hier in externen Beschwerdestellen, angesiedelt zum Beispiel bei den Kammern. Für Harm Wurthmann, Geschäftsführer der „RKW Bremen GmbH“, die Unternehmensberatung vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen anbietet, steht an erster Stelle eine „strategische Unternehmensgestaltung, die auf eine starke personelle Durchmischung setzt“. Das schaffe eine Betriebskultur, in der offen über Probleme geredet würde – und das sei wichtiger als eine Beschwerdestelle. Einer solchen steht er dennoch nicht abweisend gegenüber, „und sei es nur, um Arbeitgebern und Arbeitnehmern bewusst zu machen: Auch wenn wir gar kein Problem sehen: Es kann trotzdem eins geben.“ Aber Betriebe, denen ein gutes Klima gleichgültig sei, würden eine solche Stelle ohnehin nicht zulassen. Damit könnte er Recht haben, denn das AGG benennt zwar vieles – nicht aber das ausgewiesene Recht auf eine innerbetriebliche Beschwerdestelle.



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