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Antimuslimischer Rassismus im Fokus: Alte Debatten – neue Zuspitzungen

ADA-Fachtag: 16.11.2016, 9.30 bis 17.30 Uhr

Ort: DGB-Haus Bremen, Bahnhofsvorplatz 22 – 28

Veranstaltet von: ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt

Hinweis: Der Fachtag ist kostenlos und wird als Bildungsurlaub anerkannt

Anmeldung: Per Email, Post oder Fax, mit Angabe des gewünschten Workshops - bitte Name, Adresse, Geburtsdatum, E-Mail-Kontakt und Veranstaltungsnummer (HS 600.136) angeben: Mail: s.mebrahtu@aulbremen.de, Post: ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20

 

Programm des Fachtags

 

9.30 bis 10 Uhr I Ankommen & Anmeldung

 

10.00 bis 11.45 Uhr I Begrüßung und Einführungsvorträge

 

Ozan Keskinkilic, Politikwissenschaftler, Aktivist und politischer Bildner: "Aber Islam ist doch keine Rasse..." Muster des antimuslimischen Rassismus heute mit Blick auf gestern

 

Ismahan Wayah, Kultur-und Literaturwissenschaftlerin und Aktivistin: Rettet „die“ muslimische Frau? Debatten über Rassismus und Sexismus nach Köln

 

Merve Kayikci, Jurastudentin, Medienwissenschaftlerin, bloggt auf primamuslima.de: Literarischer Einwurf I

 

11.45 bis 12.45 Uhr I Mittagspause

 

11.45 bis 12.35 Uhr I Arbeitsgruppen-Phase

 

Arbeitsgruppe 1

H.-Eberhard Schultz (Menschenrechtsanwalt in Berlin, aktiv u.a. zu antimuslimischem Rassismus) und Sanchita Basu (Bildungsreferentin bei Reach out - Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus): Institutioneller und antimuslimischer Rassismus im rechtlichen Kontext – Perspektiven und Handlungs(un-)möglichkeiten

 

Arbeitsgruppe 2

Habiba Rode, Ayla Karaköz (Lehrerinnen für Deutsch und Religion), Esra Basha (Bildungsreferentin bei Al-Etidal): Streitstoff: Kopftuch im Lehramt und öffentlichen Dienst. Auswirkung und Bedeutung eines langen Diskurses

 

Arbeitsgruppe 3

Ebru Tasdemir (Journalistin, Neue Deutsche Medienmacher): Islamdiskurse und Antimuslimische Stereotype in den Medien

 

Arbeitsgruppe 4

Abdurrahim C. Dottermusch (Bildungsreferent und Moderator) und Ismahan Wayah (Kultur-und Literaturwissenschaftlerin, Aktivistin): Antimuslimischer Rassismus in der Arbeitswelt - Praxisreflexion, eigener Umgang und mögliche Lösungsansätze

(mit der Möglichkeit, in getrennten Räumen zu arbeiten, d. h. in Räumen für Menschen mit und ohne Rassismuserfahrungen)

 

14.45 bis 15.15 Uhr I Kaffeepause

 

15.15 - 15.30h I Merve Kayikci: Literarischer Einwurf II

 

15.30 - 17.15 Uhr I Podiumsdiskussion: Von der Beleidigung bis zur Morddrohung: Hate Speech im Internet – was tun?

 

Mit Simone Rafael (Chefredakteurin netz-gegen-nazis.de), Mely Kiyak (Schriftstellerin, freie Journalistin und Kolumnistin am Maxim Gorki Theater in Berlin) und Duygu Gezen (Social Media-Volontärin bei Radio Bremen)

 

17.15 - 17.30 Uhr I Merve Kayikci: Literarischer Einwurf III

 

17.30 Uhr I Ende der Veranstaltung

 

Begleitende Comic-Ausstellung „EbenSo“ von der Illustratorin und Comic-Künstlerin Soufeina "tuffix" Hamed: Zu sehen vom 14. bis 18. November im Foyer des DGB-Hauses zwischen 9 und 18 Uhr

 

Zur Einführung

 

„Der Islam passt nicht zu uns“: Darüber scheinen sich - gestern wie heute - erhebliche Teile der nicht-muslimischen Bevölkerung einig zu sein. Entsprechend zählt antimuslimischer Rassismus zum Standardrepertoire rechter und rechtspopulistischer Zusammenschlüsse: Während in Deutschland die AfD in einen Landtag nach dem nächsten einzieht und in Dresden Pegida wöchentlich gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes demonstriert, regieren in Polen und Ungarn Parteien, die Muslimfeindlichkeit ausdrücklich in ihr offizielles Programm aufgenommen haben, oder gewinnen in Frankreich der Front National und in Österreich die FPÖ immer weiter an Popularität. Des Weiteren ist antimuslimischer Rassismus ein Bindeglied zwischen Akteur_innen unterschiedlichster gesellschaftlicher und politischer Felder, besonders wenn es um die Einwanderungsdebatte geht. So stellt eine repräsentative Umfrage von 2016 fest, dass 41% der Befragten Muslim_innen die Einwanderung in Deutschland untersagen würden ("Mitte"-Studie der Uni Leipzig). Antimuslimischer Rassismus ist heute mehr denn je salonfähig – ob in der medialen Berichterstattung, im öffentlich-politischen Diskurs oder auf institutioneller Ebene.

 

Wie Muslime halt so sind“: Die Konstruktion des „Islam“ als das negativ besetzte und unvereinbar „Andere“, mit der vermeintlich „eigenen“ homogenen europäischen Wertegemeinschaft, hat eine lange Tradition, die weit vor den Angriffen am 11. September 2001 begann. Schon seit langem müssen muslimische Menschen und muslimische Lebenswelten als Projektionsfläche für soziale und politische Probleme wie zum Beispiel Kriminalität oder Sexismus herhalten – ob lokal oder global. Dass antimuslimische Ressentiments zurzeit breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, wird auch anhand der Debatten über die Kölner Silvesternacht deutlich. In Überschneidung mit weiteren Diskriminierungsverhältnissen wie Sexismus, Klassismus oder Homophobie, ist antimuslimischer Rassismus mittlerweile zu einem der prägenden Merkmale westlicher Gesellschaften geworden.

 

„Früher war ich Schriftstellerin, Übersetzerin, Mutter und Nachbarin. Heute bin ich nur noch die Muslimin.“ Antimuslimischer Rassismus drückt sich als Diskriminierungsform in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen aus: In der Schule, beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche. Brandanschläge auf islamische Gemeinden, Hate Speech in digitalen Netzwerken, verbale und physische Attacken auf muslimische Menschen – all dies nimmt beständig zu. Dabei betrifft antimuslimischer Rassismus nicht nur Menschen, die sich selbst als Muslim_innen bezeichnen. Sondern auch jene, die aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes, ihrer Sprache oder ihres Namens als Muslim_innen wahrgenommen werden.

 

In Form von Inputs und Workshops möchte ADA auf dem Fachtag einen Diskussion- und Reflexionsraum öffnen, um folgenden Fragen nachzugehen:

 

  • Welche gesellschaftlichen und politischen Funktionen kommen dem antimuslimischen Rassismus derzeit zu?
  • Wie äußert sich antimuslimischer Rassismus in unterschiedlichen Arbeits- und Handlungsfeldern – unter anderem in den Medien, im öffentlichen Dienst und in der Justiz?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten können wir entwickeln, um Diskriminierung entgegenzuwirken?
  • Welche Rolle spielen unsere eigenen, jeweils unterschiedlichen Betroffenheiten und Handlungen darin?

 

 

 

ADA-Flyer zu Fachtag Antimuslimischer Rassismus
Fachtag Antimuslimischer Rassismus, ADA,
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