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Von der Meldung zum Vorurteil

Podiumsdiskussion zur Benennung des "ethnischen" Hintergrunds durch Medien, Polizei und Innenbehörden

Zeit & Ort: 20. April 2016, 19 Uhr im DGB-Haus (Bahnhofsplatz 22–28, 28195 Bremen, beim Hbf). Veranstaltet von ADA/Antidiskriminierung in der Arbeitswelt

 

Mit folgenden Gästen:

 

Mohamed Amjahid, Politischer Reporter und Redakteur beim ZEITmagazin

 

Gerrit Busch, Freier Mitarbeiter bei der Nachrichtenredaktion von Radio Bremen und Buten & Binnen

 

Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Bremer Senators für Inneres, Journalistin und Krimiautorin

 

Ankündigung:

 

Spätestens seit den gewalttätigen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof ist in der Öffentlichkeit wieder verstärkt von der so genannten "Ausländerkriminalität" die Rede. Plötzlich scheint es wieder legitim, in der Berichterstattung routinemäßig auf den mutmaßlichen ethnischen Hintergrund von Straftatverdächtigen hinzuweisen – auch, um sich nicht dem von AFD, Pegida & Co lancierten Vorwurf auszusetzen, wichtige Tatsachen zu verschweigen. Einige Zeitungsverlage gehen noch weiter: Sie fordern, dass der Deutsche Presserat die Richtlinie 12.1 des Pressekodex ändern möge, wonach in der Berichterstattung über Straftaten "die Zugehörigkeit der Verdächtigten oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt wird, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht."

 

Ähnliche Entwicklungen sind auch in Bremen zu beobachten: Immer wieder ist im Zuge gestiegener Taschendiebstähle im Bahnhofsberich von kriminellen Geflüchteten die Rede, auch wenn meist relativierend hinzugefügt wird, dass es sich nur um eine "kleine Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge" handeln würde. Insofern dürfte es auch folgerichtig gewesen sein, dass im Weserkurier am 4. März 2016 anlässlich der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2015 durch den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer und den Polizeipräsidenten Lutz Müller ein Diagramm zu sehen war, das die "Beteiligung der verschiedenen Ethnien an Taschendiebstählen 2015 in Bremen" auflistet. Und dies mit äußerst fragwürdigen Kategorien: "10% Vorder- und Südasiaten", "10% Südosteuropäer", "12% Mitteleuropäer" und "66% Nord-/West-Afrikaner" (Sonstige: 2%).

 

Und doch, allen Stimmungen zum Trotz, die Realität sieht anders aus: Beispielsweise stellt der Chef der Brauschweiger Kripo Ulf Küch anlässlich seines frisch erschienen Buches "Soko Asyl" fest: "Der Anteil von Kriminellen, die mit den Flüchtlingen nach Deutschland eingereist sind, ist prozentual nicht höher als der Anteil von Kriminellen in der deutschen Bevölkerung." Ähnliches berichten Expert_innen schon seit Jahren: Menschen ohne deutschen Pass sind nicht krimineller, sie werden aber häufiger angezeigt. Wichtiger für Kriminalität sind stattdessen Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Bildung. Hinzu kommen diverse Verzerrungen in der Kriminalitätsstatistik, etwa durch bestimmte Delikte, die nur von Nicht-Deutschen begangen werden können.

 

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