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Wir und Die: Diskriminierung, Ausgrenzung und Rechtspopulismus in Deutschland

ADA-Fachtag für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft am 02.12.2012

Überall in Europa nehmen rechtspopulistische bzw. menschenverachtende Vorurteile rasant zu. Ablesbar ist dies nicht nur an zahlreichen Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien oder dem gewaltigen Echo, das Thilo Sarrazin hierzulande mit seinem millionenfach verkauften Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“ erzielt hat.

Auch Umfrageergebnisse bestätigen diese Trends: So stimmen 58,4 Prozent der Aussage zu, wonach „für Muslime in Deutschland die Religionsausübung erheblich eingeschränkt werden sollte; knapp die Hälfte meinen, „es leben zu viele Ausländer in Deutschland“; und ein Viertel wünscht sich eine „starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Insbesondere zwei Tendenzen sollten in diesem Zusammenhang nicht aus dem Blick geraten: Zum einen, dass diskriminierende Einstellungen bereits seit Jahren vorwiegend in der Mitte der Gesellschaft stärker werden. Zum anderen, dass sich die Ablehnung keineswegs gegen MigrantInnen allein richtet. Der öffentliche Diskurs kreist vielmehr um so genannte Minderheiten überhaupt, die Rede ist von „Integrationsverweigern“, „antriebsschwachen Armen“ oder „faulen Griechen“. Ein längst erledigter Sozialrassismus scheint also wieder salonfähig zu werden; Wissenschaftlicher sprechen deshalb von einem „neuem Jargon der Verachtung“, ja von der Zunahme einer „Ideologie der Ungleichwertigkeit“.

 

Grundsätzlich verweist die Radikalisierung der Mitte darauf, dass es um gesamtgesellschaftliche Problematiken geht. Denn Rechtspopulismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind ohne die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich sowie tief sitzende Ängste vor sozialem Abstieg nicht verstehbar. Zugleich hat die gezielte Abwertung einzelner Gruppen mit so etwas wie Privilegiensicherung seitens derer zu tun, die sich als Teil der Mehrheitsgesellschaft begreifen. Beispielsweise sind es nicht die Hinterhofmoscheen, die allerorten Abwehr hervorrufen, sondern repräsentative Gotteshäuser, die Muslime als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft im Stadtbild sichtbar machen.

 

Auch Gewerkschaften sind hiervon betroffen. Zunächst einmal über all jene Mitglieder, die zur Zielscheibe von Diskriminierung und Ausgrenzung werden. Aber auch als Institution insgesamt. Denn wo gesamtgesellschaftlich immer wieder künstliche Gegensätze zwischen „Wir“ und „Die“ hergestellt und ganze Gruppen als vorgeblich nicht dazugehörig abgestempelt werden, steht der solidarische Zusammenhalt der Gesellschaft auf dem Spiel und somit das, wofür sich Gewerkschaften programmatisch schon seit jeher einsetzen.

 

Mit dem Fachtag möchten wir uns zum einen an die interessierte Öffentlichkeit richten, zum anderen an betriebliche InteressenvertreterInnen, Jugendliche aus Betrieben, GewerkschafterInnen, MitarbeiterInnen von Beratungsstellen, VertreterInnen von Betroffenenverbänden und FachpolitikerInnen. Ziel ist es, aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Zustandekommen und die Funktion von Diskriminierung zu verstehen, zugleich möchten wir zur Weiterentwicklung einer Antidiskriminierungskultur in Bremen beitragen – und das auch mit Blick auf die Entscheidung der Bremer Bürgerschaft vom 28.09.2011, wonach die Landesregierung die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes initiierte Absichtserklärung „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“ unterzeichnen möge.

 

Die Veranstaltung ist kostenlos und als Bildungsurlaub im Land Bremen anerkannt. Eine Freistellung nach Bremischen Bildungsurlaubsgesetz ist möglich. Um Anmeldung per Post, FAX oder Email wird gebeten (vgl. den Vordruck im anhängten Flyer): ADA, Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen, Fax: (0421) 960 89 20

 

Programm:

 

11.00 Uhr: Begrüßung & Eröffnungsvortrag:

 

Über den Zusammenhang zwischen sozialer Krise und rechtspopulistischen Tendenzen in Deutschland bzw. Europa (30 Minuten): Christoph Butterwege, Professor an der Uni zu Köln

 

Im Anschluss: Kommentare zum Eröffnungsbeitrag & Diskussion:

 

* Annette Dühring, DGB-Vorsitzende Bremen-Elbe-Weser

* Volker Stahmann, 2. Bevollmächtiger der IG Metall

* Regine Geraedts, Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF)

 

13.00 bis 14.00 Uhr: Mittagspause mit Imbiss 

 

14 bis 16.30 Uhr: Arbeitsgruppen:

 

Arbeitsgruppe I: Rassismus & Diskriminierung im Betrieb. Moderation: Fuat Kamcili, 

Inputs: Mehmet Altun, Lagerhaus Migration; Frank Meng, Akademie für Arbeit und Politik; N.N.

 

Arbeitsgruppe II: Diskriminierung von Frauen mit muslimischen Hintergrund in der Arbeitswelt. Moderation: Margaretha Kurmann, Input: Esra Cakmakli, Uni Bremen

 

Arbeitsgruppe III: Diskriminierung und Ausgrenzung von Erwerbslosen, Obdachlosen, und DrogenkonsumentInnen. Moderation: Joachim Barloschky, Inputs: Herbert Tomsen, Bremer Erwerbslosenverband; Dr. Vera Bergmeyer, comebackgmbh (Ambulante Drogenhilfe)

 

17 Uhr – 19 Uhr: Abschlussveranstaltung: Für eine neue Antidiskriminierungskultur in Bremen

 

Gäste: Rainer Kuhn, Geschäftsführer ver.di; Birte Weiss, Basis & Woge/Antidiskriminierungsstelle in Hamburg; Kai Wehner, Landesverband der Gehörlosen Bremen e.V.; Libuse Cerna, Vorsitzende des Bremer Rats für Integration

 


WIR und DIE Fachttag Einladung.pdf
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Antidiskriminierung
in der Arbeitswelt

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